Frage: Sie sind nun seit einer Woche Miss Deutschland 50-plus. Wie fühlt sich das an?
Jünger: Es ist irgendwie, als wenn ich in einem Hurricane stecke. Es gibt unfassbar viel, das in der kurzen Zeit auf mich einprasselt. Langsam realisiere ich jetzt aber, was da eigentlich passiert.
Frage: Sie haben nach dem Sieg direkt wieder mit Ihrem Arbeitsalltag begonnen. Was hat sich durch den Miss-Titel verändert?
Jünger: Auf der Straße angesprochen wurde ich bisher noch nicht. Aber in der Praxis haben die Patienten gratuliert, haben Blumensträuße mitgebracht und freuen sich mit mir. Und die Medienpräsenz ist größer geworden. Gleich nach dem Titel am Montagmorgen war RTL für eine Liveberichterstattung bei mir zu Hause, danach bin ich dann zur Arbeit gefahren. Momentan stehen also ziemlich viele Dinge an. Das alles ist wie ein Traum, aus dem ich nicht aufwache. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl.
Frage: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, an der Miss 50-plus-Wahl teilzunehmen?
Jünger: : Ich habe als junge Frau immer Interesse an Mode und Laufsteg gehabt, aber ich konnte diesen Traum nie wirklich umsetzen. Vor 30 Jahren war ich noch zu schüchtern, um an einer Miss-Wahl teilzunehmen. Der nötige Biss hat mir gefehlt

Infos zur Miss-50-plus-Wahl

Zum achten Mal fand die Miss-50-Wahl statt. Tatjana Jünger setzte sich in Harsewinkel gegen 19 andere Kandidatinnen im Alter von 50 bis 69 Jahren durch.

In der achtköpfigen Jury saßen unter anderem Politiker Wolfgang Bosbach, Tänzerin Ekaterina Leonova sowie das Schauspieler-Paar Christine Mayn und Nick Wilder. Frauke Ludowig und Ines Klemmer moderierten.

Veranstaltet wird der Wettbewerb wird von der Miss Germany Corporation Klemmer (MGC) aus Oldenburg.

Frage: Auch die Miss-Wahlen, die es damals gab, sind für Sie nicht in Frage gekommen?
Jünger: : Die Wahlen fanden damals in dunklen Diskotheken statt. Wenn man sich alte Fotos anschaut, sieht man, dass die Teilnehmerinnen alle die knappesten Bikinis anhatten. Das war Fleischbeschau für die Männer. Das hatte damals noch einen anderen Touch. Die Miss Germany Corporation ist aber dabei, alles viel seriöser aufzustellen. Sie legen ganz andere Schwerpunkte auf eine Miss-Wahl.
Frage: Welche sind das?
Jünger: : Bei der 50-plus-Wahl geht es nicht nur um Maße und äußere Schönheit. Ausstrahlung, Persönlichkeit, Auftreten und Selbstbewusstsein sind wichtig. Es soll Frauen im Alter antreiben, ihre Träume zu verwirklichen und Spaß zu haben. Wir stehen mitten im Leben und fühlen uns jung geblieben. Das hat mich gereizt.
Frage: Wie lief die Veranstaltung ab?
Jünger: Wir hatten in Harsewinkel zwei Tage Proben mit unserer Choreographin Jutta Klein, die uns verschiedene Walks beigebracht hat. Am Abend selber gab es dann drei Durchgänge. In den ersten beiden haben wir gestellte Kleidung getragen, den zweiten hat die Jury bewertet. Danach hat jeder in einem einminütigen Interview Zeit gehabt, sich kurz vorzustellen. Nach der Auswertung wurden dann die besten fünf Kandidatinnen bekanntgegeben.
Frage: Zunächst wurden der zweite und dritte Platz geehrt, Sie kamen mit zwei weiteren Kandidaten für den Sieg infrage. Wie hat sich das angefühlt?
Jünger: Ich habe mich bei den Durchgängen sehr wohlgefühlt und gehofft, dass es für die besten fünf reicht. Als wir dann nur noch zu dritt dastanden, habe ich überhaupt nichts mehr gedacht. Das Bild friert irgendwie ein, man steht da, das Herz klopft, die Scheinwerfer blenden. Man sieht das Publikum nur als schwarze Masse und weiß, dass die Kameras auf einen gerichtet sind, um gleich die Emotionen einzufangen.
Frage: Wie war das Verhältnis zu den Konkurrentinnen im Finale?
Jünger: : Zickenkrieg gibt es in unserem Alter nicht mehr. Wir alle wissen, wer wir sind, was wir können und was wir nicht können. Man hat sich Tipps gegeben und gegenseitig geholfen. Es war wie eine Mädels-Klassenfahrt. Und wir planen schon das nächste gemeinsame Treffen. Dass man 19 andere Frauen kennenlernen durfte, war das Schönste, was ich mitnehmen konnte.
Frage: Was war der schwerste Moment während der Veranstaltung?
Jünger: : Ich hatte aus meinem Ägypten-Urlaub einen Magen-Darm-Virus mitgebracht und wusste bis zwei Stunden vorher nicht, ob ich auftreten kann. Für mich war das natürlich der Worst Case. Kurz vor dem Termin für Haare und Make-up hat mir meine Familie Medikamente vorbeigebracht und ich konnte doch noch auftreten.
Frage: Was bedeutet Ihnen der Miss-Titel?
Jünger: Für mich ist ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen. Es macht mich unheimlich stolz, dass ich alle überzeugt habe. Ich werde in den nächsten Wochen noch ein paar weitere Fernsehauftritte haben. Danach möchte ich persönlich etwas aus dem Erfolg machen. Vielleicht bekomme ich Aufträge, kann in Werbekampagnen oder Shootings mitarbeiten.
Frage: Was ist Ihr Tipp, um auch im Alter noch schön auszusehen?
Jünger: Es ist eine Mischung aus sehr vielen Dingen. Eine gesunde Lebensweise mit guter Ernährung und ausreichend Bewegung ist sicherlich die Basis. Ich persönlich mache jeden Tag einen kurzen Mittagsschlaf. Das hilft mir besonders bei meinem langen Arbeitstag, um wieder frisch zu sein. Und meine Familie habe ich damit auch angesteckt.
Sönke Spille Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.