LANDKREIS /BAD ZWISCHENAHN Das Szenario ist bekannt: Vorne bestellt der Familienvater an der Theke des Schnellimbisses, im Hintergrund erklingt unüberhörbar die eintönige Melodie aus einem Spielautomaten. Zugegeben: Die meisten Glücksspielsüchtigen suchen vermutlich eher ein Kasino oder große Spielotheken auf, doch Spielautomaten findet man heute nahezu an jeder Ecke. Gerade im Landkreis Oldenburg. „Man mag es kaum glauben, aber hier in der Region ist die Dichte dieser Geräte pro Einwohner besonders hoch“, erläutert Sabine Mix-Puschmann. Die 47-jährige Sozialpädagogin betreut seit dem 1. Mai Glücksspielsüchtige im Ammerland und dem Landkreis Oldenburg.

Große Erfahrung

„Prävention und Intervention bei problematischem und pathologischem Glücksspielverhalten“, lautet das vom Land Niedersachsen ins Leben gerufene Modellprojekt. 3,2 Millionen Euro fließen für vier Jahre, 24 halbe Stellen als Präventionskraft für Glücksspiele wurden geschaffen, eine davon besetzt Sabine Mix-Puschmann. Die Sozialtherapeutin aus Wardenburg hat bereits 18 Jahre Erfahrung in der Suchttherapie gesammelt. Zuletzt arbeitete sie fünf Jahre lang in der Jugendhilfe. Seit knapp drei Monaten findet man die 47-Jährige nun in der Diakonie Suchthilfe in Bad Zwischenahn.

„Zurzeit geht es vorrangig darum, mich erst einmal bekannt zu machen, Netzwerke zu knüpfen, mich bei Einrichtungen wie etwa der Schuldnerberatung vorzustellen“, erzählt Sabine Mix-Puschmann. Ihre Aufgabe für die nächsten zweieinhalb Jahre wird es sein, Glücksspielsüchtige in der Region ausfindig zu machen. Aber: Die Teilnahme an einer möglichen Behandlung bleibt freiwillig, gezwungen werden kann niemand.

„Die Probleme der Süchtigen gehen zumeist auf die Kindheit zurück, oder auf Gewalt oder Frusterlebnisse. Bis die ersten Fälle bei uns in der Beratungsstelle landen, haben sich bereits 25 000 bis 40 000 Euro Schulden aufgehäuft“, sagt Mix Puschmann. „Ziel muss es sein, diese Menschen einzufangen, bevor sie überhaupt erst der richtigen Spielsucht verfallen“, betont die Wardenburgerin.

Klare Männerdomäne

Glücksspielsucht ist mittlerweile als Krankheit anerkannt und belastet den Etat der Rentenversicherungsträger in nicht unerheblichem Maße. In Bad Zwischenahn liefen vor Beginn des Modellprojektes immer mal wieder vereinzelt Glücksspielsüchtige mit, im ersten Projektjahr „explodierte“ diese Zahl dann auf 13 Betroffene. Elf teilnehmende Männer zeigen, dass Glücksspielsucht klar eine Männerdomäne ist und auch bleibt. „Frauen spielen meist anders, haben oft eine Bremse, weil sie sich zu Hause verantwortlich fühlen“, berichtet Mix-Puschmann.

Die Präventionskraft will die Zahl derer, die die Beratungsstelle aufsuchen, ausbauen und die Erfolgsquote auf Heilung verbessern. „Die liegt jetzt schon bei 50 Prozent“, so die 47-Jährige. Ein Zeichen, dass sich die Investition des Landes lohnen könnte. Zu erreichen ist Sabine Mix-Puschmann bei der Fachstelle Sucht Ammerland in Bad Zwischenahn, Fährweg 2, oder telefonisch unter 04403/3179.

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