Wildeshausen Ein wildes Rattfratz erscheint und greift an. Der Spieler hat drei Möglichkeiten: Das Pokémon, das einer Ratte ähnelt, fotografieren, es mit einem Pokéball fangen oder weglaufen. Er wirft den Ball und fängt das kleine Monster. Von jetzt an kann er es gegen andere Pokémon kämpfen lassen.

Wildeshausen ist im Pokémon-Fieber. Vor allem junge Erwachsene tummeln sich rund um die Kreismusikschule und spielen auf ihren Smartphones „Pokémon GO“, die neueste Version des Spiele-Klassikers von Nintendo. Die ersten beiden Versionen erschienen vor 20 Jahren. In dem Spiel geht es darum, mit seinen eigenen Monstern gegen andere Monster zu kämpfen und wilde Pokémon mit einem Pokéball einzufangen. Die eigenen Monster können trainiert werden und auch gegen die Monster anderer Spieler kämpfen.

Der Name „Pokémon“ leitet sich von den englischen Wörtern „pocket monster“ (deutsch: Taschenmonster) ab. Im Jahr 1996 war damit gemeint, dass die Spieler den Gameboy, auf dem Pokémon gespielt wurde, überall mit hinnehmen konnten. Eine Tatsache, die auch auf die Smartphones zutrifft.

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Nicht im Zimmer sitzen

Vorteil der Smartphone-Version „Pokémon GO“ ist jedoch, dass per GPS die Position der Spieler ermittelt wird und man wirklich rausgehen muss, statt im Zimmer zu sitzen: „Ich bin extra eine Stunde im Park spazieren gegangen, um nach Pokémon zu suchen“, berichtet der 21-jährige Leon Henkel aus Wildeshausen. Am Donnerstag ging die Suche nach den kleinen Monstern weiter. Doch bevor er Monster fangen kann, braucht er Pokébälle. „Die Bälle gibt es an den Poké-stops, das sind eingezeichnete Punkte an bestimmten Orten“, erklärt Henkel. Bei der Kreismusikschule in Wildeshausen befinden sich drei solcher (virtuellen) Orte. Dies erklärt, warum sich hier besonders viele Spieler aufhalten.

Marvin Schunk ist den kurzen Weg zur Musikschule mit dem Auto gefahren. Einige seiner Kumpels haben für Pokémon schon weitere Wege zurückgelegt. „Manche sind extra nach Vechta, Bremen, oder Delmenhorst gefahren und gestern habe ich jemanden getroffen, der nach Berlin fahren möchte.“ Dass die Spieler in die Großstädte fahren, kommt nicht von ungefähr. Kaum ist das Spiel auf dem Markt, sind schon erste Gerüchte im Umlauf, dass die besten und stärksten Monster vor allem in Großstädten zu finden sind.

Plötzlicher Aufruhr

Es ist Nachmittag und so langsam füllt sich der Platz vor der Musikschule. Plötzlich gerät die Gruppe in Aufruhr. Jemand kommt vom Marktplatz und erzählt, dass sich dort ein „Schiggy“ aufhalten soll – scheinbar ein beliebtes Pokémon. Einige begeben sich in die Richtung und beginnen zu suchen. Dabei erzählt einer, dass er bereits 25 Euro in das Spiel investiert habe. Seinen Namen verrät er lieber nicht, bevor seine Freundin davon erfährt.

Neue Dinge entdecken

Viele haben sich das Spiel am Mittwoch erst heruntergeladen, waren jedoch sofort dabei: „Ich bin um 21 Uhr abends noch aus dem Haus gegangen und habe ein Rattfratz und ein Taubsi gefangen“, berichtet Robert Wolter (20). Sein Kumpel David Schlake nimmt seine Umwelt durch Pokémon ganz anders wahr: „Ich bleibe stehen und schaue mir die Gegend genauer an. Auch wenn ich die Plätze schon kenne, entdecke ich jetzt noch neue Dinge.“

Auch an unbeteiligten Personen geht der Rummel nicht vorbei. Ein interessierter, älterer Herr spricht die jungen Leute an und möchte wissen, „was es mit diesem Pokémon auf sich habe“. Die jungen Leute erklären ihm das Prinzip und lassen ihn auf dem Smartphone zuschauen. Nicht nur die jungen Wildeshauser, auch die verschiedenen Generationen kommen durch Pokémon ins Gespräch.

Durch die Pokéstops können auch die Wildeshauser ihren Ort näher kennenlernen. Diese befinden sich unter anderem an Gedenksteinen und Denkmälern, die viele Menschen vorher vielleicht gar nicht bewusst wahrgenommen haben. Wie zum Beispiel die Marmorkugel, die Gildeuhr oder der Gildezylinder in der Westerstraße. Der kulturelle Aspekt findet sich also auch im Spiel wieder. Und viele Eltern brauchen keine Argumente mehr zu suchen, damit die Kinder nach draußen gehen. Denn Schiggy, Taubsi, Rattfratz und Pikachu befinden sich nicht im Kinderzimmer, sondern im Park nebenan.


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Nils Coordes Redakteur / Newsdesk
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