HUDE Klein und unscheinbar ist der Weg, der von Hudes Hauptgeschäftsstraße abgeht und direkt auf einen Schotterplatz führt. „Zum alten Torfplatz“ steht auf dem Schild. Vom Torf ist aber nicht mehr viel zu sehen. Aber dort, wo heute Autos parken, stand bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges tatsächlich eine Torffabrik.

„Streutorf, der weiße Torf, der oberhalb der schwarzen Torfschicht liegt, wurde dort verarbeitet“, weiß Indre Döpcke. Die in Hude aufgewachsene Historikerin hat die Erinnerungen alter Huder an die Fabrik und ihren Besitzer Theodor Mügge im vergangenen Jahr zusammengetragen. Veröffentlicht wurde der Artikel nun unter dem Titel „Spuren im Klinkerpflaster – Theodor Mügge und die Moostorfstreufabrik in Hude“ im dritten Jahrbuch des Landkreises „Menschen, Bilder & Geschichten“.

Fast täglich kommt die junge Frau am alten Torfplatz vorbei – immer dann, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit ist oder zurückkommt. Die Idee zu dem Artikel ist ihr aber trotzdem nicht beim Anblick des Straßenschildes oder leeren Platzes gekommen. „Während der Arbeit zu einem Projekt im Vielstedter Bauernhaus habe ich Bernd Oeljeschläger kennengelernt“, erzählt die 29-Jährige. Der Kulturwissenschaftler, Autor und Verleger konzipiert das Landkreis-Jahrbuch, das seit 2005 jährlich mit Berichten zu Heimat und Geschichte, Kunst und Kultur sowie Natur und Landschaft erscheint. Schon für die zweite Ausgabe des Buches schrieb Döpcke einen Artikel. Thema war da der Zimmerer und Baumeister Adolf Sander, der das Vielstedter Bauernhaus zweimal aufbaute. Als Oeljeschläger im Mai 2007 nachfragte, ob sie wieder etwas schreiben könne, fielen ihr die Erzählungen von Anni Alzog wieder ein. Beim ersten Interview hatte die Vielstedterin nicht nur etwas zum Zimmerer Adolf Sander erzählt, sondern auch von

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ihrem Vater berichtet, der bei der Torffabrik in Hude gearbeitet hatte.

Die 29-Jährige hörte in dem Gespräch mit Alzog das erste Mal von der Fabrik. Als Oeljeschläger das Thema gut fand, begann sie mit den Recherchen. Ihre Großeltern, die in Hude wohnen, wurden befragt und Anni Alzog gebeten, mehr zu erzählen. Sie stellte auch den Kontakt zu Erika Heinrich, der Enkelin von Theodor Mügges Frau her. „Das ist wie ein Schneeballsytem“, sagt Döpcke. „Der eine weiß wieder jemanden, der noch etwas weiß.“ Heinrich konnte viel über den Fabrikbesitzer erzählen und hat sogar noch Fotos und Briefe von Theodor Mügge. Einige davon wurden mit dem Artikel veröffentlicht. Bei der Suche nach Luftaufnahmen von dem Gelände der Fabrik wandte sich Döpcke dann an die Gemeinde. Mit Bildern konnte die nicht weiterhelfen, dafür aber mit Manfred Mönning. Der Huder konnte von Erzählungen seines Großvaters berichten, nach denen fast jeder Lindenbaum an der Parkstraße Scheuerspuren von Torfwagen aufwies. Zudem war Martha Ikels, bei der der Fabrikant Mügge zur Untermiete wohnte,

Mönnings Großtante.

„Ich hätte noch viel weitere Kreise ziehen können, aber das wäre dann zu viel für das Jahrbuch geworden“, sagt Döpcke, die sichtlich Spaß an ihrer Arbeit hat. „Das ist einfach eine besondere Art von Spurensuche.“ Heimat- und Regionalgeschichte findet die Historikerin besonders spannend: „Das ist Geschichte von unten.“ Indre Döpcke war viel im Ausland unterwegs und hat dabei festgestellt, dass man oft gar nicht so viel über seine Heimat weiß, obwohl man dort aufgewachsen ist.

Anders wird das aber wohl bei den Lesern des Jahrbuchs sein, die beim nächsten Gang durch die Parkstraße vielleicht auch ein bisschen anders auf den alten Torfplatz schauen.

Die Autorin Indre Döpcke

Indre Döpcke M.A. studierte Geschichte, Politik und Kunstgeschichte in Bochum. Seit Mai 2006 ist sie Volontärin im Museumsdorf Cloppenburg. Dort hat sie in der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mitgearbeitet und bereitet nun eine eigene Ausstellung vor.

„Frisch gestrichen“ ist der Titel der Ausstellung über Maler und Malerhandwerk im 20. Jahrhundert, die ab dem 16. März im Museumsdorf Cloppenburg zu sehen sein wird.

„Spuren im Klinkerpflaster“ ist der zweite Artikel, den sie für das Jahrbuch des Landkreises Oldenburg geschrieben hat. Für den zweiten Band des von Bernd Oeljeschlägers konzipierten Werkes lieferte sie bereits einen Bericht über den Vielstedter Zimmerer und Baumeister Adolf Sander.

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