GANDERKESEE In Bayern darf der Bremer Satiriker zurzeit nicht auftreten. In Ganderkesee sorgte er für viele Lachtränen.

von daniela zenth GANDERKESEE - „Solche Lesungen liebe ich, wenn ich nicht so weit fahren muss. Zum Beispiel bis nach München – da haben die mich ja verboten“, startete der Bremer Satiriker Osman Engin gestern Abend vor rund 100 Besuchern seine Lesung „Alles getürkt“.

Kaum liest er mit ernster Mine die ersten Zeilen, kullern im Publikum bereits die ersten Lachtränen. Zu köstlich ist der ganz normale Wahnsinn des Alltags im Leben einer fünfköpfigen deutsch-türkischen Familie in Bremen. In einem planlosen („Sie können mich nicht aus dem Konzept bringen, ich habe nämlich keins“) Bücher-Querschnitt geht es viel um die unerbittliche Ausländerbehörde und die ewigen Kleinkriege mit der resoluten Frau Kottzmeyer-Göbelsberg.

Ob in „Dütschlünd, Dütschlünd, übür üllüs“ (ja, das Buch heißt wirklich so), „Kanaken-Gandhi“ oder „West-östliches Sofa“ – in allen Osman-Werken kriegt wirklich alles und jeder sein Fett weg. Mit spitzer Feder philosophiert der deutsch-türkische Autor über den Beitritt der Türkei zur EU, Vorurteile über Frauen, Türken und Deutsche. Doch auch politische und gesellschaftskritische Themen (wie z.B. der Karikaturenstreit) dreht Osman Engin genüsslich durch den Satire-Fleischwolf.

In einer Pause wird fleißig signiert, der Büchertisch wird immer leerer. Der ein oder andere zieht sich mit einem Osman-Buch auf die Treppe zurück – und bleibt dort trotz ausreichender Anzahl an Stühlen auch während der Lesung sitzen, weil die Sicht besser ist. Lothar Pätzold aus Ganderkesee will ein Buch gar nicht mehr aus der Hand legen: „Nach dem ersten Satz weiß ich schon, worauf es hinausläuft – und trotzdem bringt er die Pointe so klasse rüber“, findet er.

Nach türkischem Tee und Naschwerk liest Engin weiter. Diesmal ist die deutsche Grammatik an der Reihe: „Diese Artikel! Die Frau ist sächlich: ,das‘ Weib. Aber wieso heißt es: ,die‘ Tomate? Wie krank muss man im Hirn sein, wenn man eine Tomate weiblicher und erotischer findet als eine Frau!?“

Mit einer Zugabe trifft er dann noch ein letztes Mal bei seinen Gästen ins Schwarze. Die Geschichte von Osmans Flugangst geht im schallenden Gelächter teilweise etwas unter, weshalb sie hier erzählt wird: Osman wird Opfer der vermeintlichen Entführung einer russischen Boeing 757 nach Albanien und versucht verzweifelt in einem wirren Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch den „Herrn Tauwa“ auf seine prekäre Lage aufmerksam zu machen. Zum Schluss löst das Bordpersonal auf: „Mit unserem Chefsteward Wolfgang spielen wir dieses kleine Theaterstück mit jedem, der Angst vorm Fliegen hat. Dis wirking Wonder!“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.