HARPSTEDT Viel ist nicht bekannt über den Maler Wilhelm Jensen, der von 1912 bis 1947 in Wunderburg lebte. „Biografisch wissen wir wenig“, konstatierte Samtgemeindearchivpfleger Dr. Jürgen Ellwanger in seinem Einführungsvortrag in der „Wasserburg“ zur aktuellen Jensen-Ausstellung in der Volksbank Harpstedt: Bis 4. Mai zeigt das Samtgemeindearchiv dort in Zusammenarbeit mit dem Gesprächskreis zur Ortsgeschichte gut 40 Werke Jensens, darunter etwa 20 Ölgemälde sowie Zeichnungen und Skizzen aus seinem Nachlass und Fotografien seiner Familie. Gerade Klaus Lampe und Wilfried Eiskamp steckten viel Arbeit in die Vorbereitung. Sieben dicht bestückte Stellwände warten nun auf Betrachter.

1862 geboren, war Wilhelm Jensen etwa 46-jährig von Kiel nach Wunderburg gekommen: zuerst als Gast, später als Ehemann der bereits hier lebenden Marie Schramm, Tochter eines Bremer Dompredigers, die er ab 1909 mehrfach in ihrer Hütte besucht hatte. So viel scheint belegt. Mit der gemeinsamen Tochter Irma lebten  Wilhelm und Marie Jensen dort bis zu ihrem Tod und sind heute in Bremen beigesetzt. Bekannt ist auch angesichts voller Gästebücher mit Einträgen von 1906 bis 1936, dass beide eine offene Tür für Gäste hatten und die Liebe zur Wunderburger Landschaft sowie zur Kunst teilten – bei Jensen ausgedrückt in vielen Landschaftsgemälden, bei der Ehefrau in Skizzen und oft schwärmerischen Gedichten, aus denen Pastorin Elisabeth Saathoff beim Vortragsabend las. Auch Beispiele für Gästebucheinträge vermittelten zumindest kleine Eindrücke vom Leben und  geistigen Austausch in dem Künstlerhaus.

Das Interesse an dem Vortrag war enorm: Gut 70 Interessierte ließen sich anhand von Bildbeispielen und Zitaten in die Welt des Künstlerpaares führen. Angesichts mancher offenen Frage zum Leben und Wirken Jensens geriet der Einführungsvortrag indes auch zu einem Austausch mit „alten Wunderburgern“, die Ellwanger besonders begrüßte: Manches Detail konnten Ortskundige und ältere Bürger, die sich noch an Jensen und seine Angehörigen erinnern, zur Spurensuche beitragen. So wurden eifrig den Gemälden von Wegen, Heidelandschaften, Feuchtgebieten, einsamen Höfen sowie Schafherden Plätze rund um Wunderburg zugeordnet („Wer kennt das?“). Und so wurde Ellwanger auch bestätigt, dass Jensen in seiner Zeit „in der Wunderburg“ „eigentlich keine andere berufliche Tätigkeit hatte, als zu malen“.

Eine Vielzahl an Werken ist entstanden. Teils sind sie heute im Besitz von Harpstedtern und umzu und wurden von den Privateigentümern für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Gezeigt werden auch Reproduktionen „unheimlich ausdrucksstarker“ Porträts des Malers, wie Ellwanger befand, aus den Jahren vor 1909. Ob Jensen Autodidakt gewesen sei, wie ein Zuhörer wissen wollte, vermochte er nicht zu belegen; doch angesichts der Technik des Malers war man sich einig, er müsse eine Ausbildung gehabt haben.

Ehe Ellwanger nach zwei Stunden Vortrag zu regem Besuch der Werkschau aufrief, verriet er seine „Vision“: ein Jensen-Buch, in dem Bilder und alles Wissen zusammengeführt seien. „Das müssten wir eigentlich mal hinkriegen. Die Ausstellung ist irgendwann wieder auseinander.“ Zustimmender Beifall folgte.

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