Hude Auf der Speisekarte stehen Brezeln, Schweinshaxe, Flädlesuppe, Kaiserschmarrn und Bier in Maßangabe. Getragen wird Dirndl oder Lederhose und im Hintergrund läuft was? Natürlich Blasmusik. „Auf geht’s Burschen und Madl“, ruft Kurt Hohnholz – Kuddel – ins Mikro und legt auf dem Akkordeon los. Er ist Mitglied der Steyrtaler Musikanten. Doch nicht in Bayern spielt die oben genannte Szenerie, sondern in Hude – im Vielstedter Bauernhaus.

Vor elf Jahren begonnen

An voll besetzten und aufwendig dekorierten Tischen sitzen am vergangenen Freitag rund 200 Leute. Sie warten darauf, dass die Zeiger der Uhren sich auf 19 Uhr vordrehen. Dann nämlich soll das Fass Freibier angestochen werden. Schon zum elften Mal richtet das Team um Wilfried Strackerjan die Bayerischen Wochen im Vielstedter Bauernhaus aus. „Begonnen haben wir damals mit zwei Wochen, anlässlich des Oktoberfests in München. Inzwischen haben wir das ausgeweitet auf acht Wochen“, erklärt Küchenmeister Christian Strackerjan, der in fünfter Generation das familienbetriebene Gasthaus bewirtschaftet. Und das Bier? „Ist eine Sonderabfüllung von Paulaner – direkt von den bayerischen Wiesn“, ist Strackerjan stolz.

Oktoberfest ist die große Schwester

Ganz so überbordend wie bei der großen Schwester in München geht’s in Vielstedt zwar nicht zu, doch die Idee, das Flair der Alpen in den Norden zu holen, stößt auch im Huder Umland auf große Begeisterung. „Es gibt sehr viele, die immer wiederkommen, teilweise auch in einem Jahr mehrfach“, weiß Strackerjans Frau Yvonne. Auf die Idee gekommen war das Paar damals gemeinsam mit ihrem Getränkelieferanten. „Irgendwie war das einfach ein Trend, überall bayerische Traditionen zu feiern“, erinnert sich Christian Strackerjan. Also startete das Team den Versuch – und war überrascht von dem Zuspruch.

80 Kilogramm Kartoffeln

„Es gehen pro Abend meist 150 bis 200 Liter Bier durch“, weiß der Gastronom. Und: „Rund 80 Kilogramm Kartoffeln schälen wir jedes Mal – fürs Püree.“ Sogar die Küche im Wirtshaus haben die Strackerjans extra umbauen lassen. „Wir mussten die Mengen ja bewältigen können“, berichtet Yvonne Strackerjan lachend. Auch spezielle – größere – Gläser sind für die bayerischen Wochen im Bauernhaus eingezogen.

Um 18.30 Uhr geht’s meist los, „gegen 0 Uhr gehen in der Regel die letzten“, wissen die Strackerjans aus Erfahrung. Und das, obwohl das Publikum bunt gemischt ist. Von jüngeren Leuten bis hin zu der Großeltern-Generation sind alle vertreten. Dazu tragen auch die Musiker von der Band „Happiness“ bei, die immer freitags und samstags das Programm bereichern.

Fassanstich und Freibier

Doch nun geht es erstmal an den Fassanstich, bei dem nicht nur Strackerjans, sondern auch die Musiker tüchtig mit anpacken. Sobald der Gerstensaft strömt, klatschen alle Anwesenden im Raum und holen sich eine Maß ab.

Die Gäste wagen nach dem üppigen Essen sogar noch ein Tänzchen. „Das Traditionelle macht es aus“, glaubt Christian Strackerjan. „Deftiges, deutsches Essen, Musik, zusammensitzen und quatschen, später tanzen. Das ist einfach etwas, das viele Leute anspricht.“

Bayerische Wochen bis November

Noch bis Samstag, 10. November, gibt es die bayerischen Köstlichkeiten im Vielstedter Bauernhaus, dann wird um 18 Uhr die traditionelle Haxenbeerdigung gefeiert. Und die Familie Strackerjan erholt sich erst einmal von den acht Wochen im Dauereinsatz. „Aber wir freuen uns dann auch schon wieder aufs nächste Mal.“

Imke Harms
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion

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