Hude Das hat es auf dem Parkplatz vor der Huder Peter-Ustinov-Schule auch noch nicht gegeben: 19 Fahrzeuge stehen dort am Montagabend gegen 19 Uhr – zwischen den einzelnen Autos gibt es dabei immer einer Parklücke Abstand. Die Fenster an jedem Wagen sind etwas heruntergekurbelt. Zunächst schallt nur eine Melodie über den Parkplatz. Doch dann mischen sich auch Stimmen darunter. Erst leise, dann immer lauter. Herzlich willkommen zur ersten Auto-Chorprobe der Huder Gospelsingers.

„Es hat wirklich gut geklappt“, resümiert Chorleiterin Uta Rose am Ende. Ein Schritt zu den normalen Proben war es – wenn auch nur ein kleiner. „Wir konnten nahezu synchron singen und die anderen teilweise auch hören“, sagt die Huderin. „Man bekommt langsam aber sicher wieder das Gefühl vom gemeinsamen Singen.“

In der Corona-Krise hatten die Huder Gospelsingers ihre wöchentlichen Übungsstunden bisher per Videokonferenz abgehalten. „Die Umsetzung war aber eher schwierig“, gesteht Uta Rose. Das Tonsignal sei immer unterschiedlich schnell in die Haushalte gelangt – gemeinsam singen sei somit nur schwer möglich gewesen. „Ich war die einzige, die ihren Ton angelassen hat, damit die anderen die Musik und mich hören konnten“, berichtet sie. Ein wirklich gemeinsames Singen war unter diesen Umständen aber nicht möglich.

Nun also der Versuch mit der Auto-Chorprobe. „Ich habe die Idee bei einer Chorleiterkollegin in den sozialen Medien gesehen“, erzählt Uta Rose. Da ein Chormitglied einen FM-Transmitter besitzt – eine kleine Radiostation, mit der man die Musik als UKW-Frequenz funken kann –, waren auch die technischen Voraussetzungen schnell geschaffen. Das Ordnungsamt stimmte dem Vorhaben ebenfalls zu.

Auf dem Parkplatz schalteten die Sängerinnen und Sänger am Montagabend die Frequenz 107,5 ein, um die Musik zu hören. Feedback wurde mit dem Daumen durch das Fenster gegeben. Rund die Hälfte der 45 Gospelsänger nahm teil. „Auch wenn es noch nicht die 100-Prozent-Lösung ist – für das Gemeinschaftsgefühl war diese Probe wirklich gut“, sagt die Chorleiterin.

Schließlich hat die Corona-Pandemie auch die Pläne der Huder Gospelsingers für 2020 durcheinandergewirbelt. „Für die erste Jahreshälfte sind alle Termine verschoben“, berichtet Uta Rose. So sollte in einem Tonstudio eigentlich die dritte CD der Gruppe aufgenommen werden, Gottesdienst-Auftritte und ein Workshop waren geplant. „Der Gospelkirchentag, an dem wir mit 5000 Sängern gleichzeitig singen, wurde ins kommende Jahr verschoben“, sagt sie. Stattdessen wurde ein irisches Segenslied unter Corona-Bedingungen für das Internet aufgenommen.

Unklar ist noch, wie es mit dem für den 20. September geplanten Konzert mit den Oldenburger „Voices“ weitergeht. Rose: „Hier befinden wir uns noch im engen Austausch.“ Ob eine solche Veranstaltung überhaupt stattfinden darf, steht noch nicht fest. Zudem fehlen die gemeinsamen Übungsstunden. „Vielleicht ist ja schon bald eine Draußen-Probe auch ohne Auto machbar“, meint Uta Rose. „Wir wollen aber ganz sicher nichts überstürzen.“

Bis der Chor wieder seine gewohnten Proben abhalten kann, wird es wohl weiter dauern. Zeit genug also, um noch weitere kreative Ideen zur Chorprobe umzusetzen.

Sönke Spille Freier Mitarbeiter Lokalsport / NWZ-Redaktion
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