Holzhausen /Wildeshausen Sie schmiert ihre Butterbrote selbst, macht sich selbstständig für die Schule fertig und sorgt dafür, dass ihre Mutter die Tabletten nimmt. In den vergangenen Monaten ist die Wildeshauserin Serife Dönmez (12) sehr schnell erwachsen geworden. Genaugenommen seit der Schockdiagnose Brustkrebs ihrer Mutter, Janett Rohe. Der Befund veränderte das Leben der Familie von Grund auf. Seither gibt Serife der 37-Jährigen die Kraft, die schwere Zeit durchzustehen. Sie kümmert sich um ihre Mutter, achtet darauf, ob sie ihre Medikamente korrekt einnimmt und begeistert sie durch ihre Musik.

Ein Jahr gaben ihr die Ärzte im August vergangenen Jahres. Die Chemotherapie war hart, doch heute sagt Janett, dass sie es immer wieder machen würde. Denn im März kam die gute Nachricht, dass die Therapie geholfen hat und sich die Metastasen zurückgebildet haben. Doch das ändert nichts an ihrer Diagnose. Zwei bis fünf Jahre gibt ihr der Arzt noch zu leben. „Ich weiß nie, wann mein Tag X ist.“

Janetts Heldin des Jahres

Musik war es, wodurch die Medien auf Serife und das Schicksal ihrer Mutter aufmerksam wurden. Über Whatsapp kontaktierte die Zwölfjährige im Herbst Radio Antenne und wünschte sich einen Song. Am nächsten Morgen entwickelte sich ein Gespräch mit dem Sender und Serife lud ein Video hoch, in dem sie einen Song für ihre Mama und andere Frauen sang, die an Brustkrebs leiden.

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Nach einem Besuch bei dem Sender und einem Bericht der NWZ folgten Beiträge von RTLNord und Sat1. Daraufhin wurde Serife bei der Zeitschrift „Auf einen Blick“ als Heldin des Jahres vorgeschlagen. Noch bis zum 29. August können die Leser unter 20 Kandidaten auswählen.

Für ihre Mutter ist Serife auf jeden Fall ihre Heldin des Jahres. „Weil sie ohne an sich selbst zu denken, mich umsorgt und auch gar nicht zulässt, dass mir etwas passiert.“ Doch Serife setzt sich auch für andere Menschen ein und macht auf die Wichtigkeit von Krebsvorsorgeuntersuchungen aufmerksam. Gemeinsam mit ihrer Mutter ging die Zwölfjährige im Frühling durch einen Zug, der in Richtung Hannover fuhr, und machte Musik. Janett erklärte währenddessen den Fahrgästen den Hintergrund der Aktion und klärte über Vorsorgeuntersuchungen auf.

Keine Zeit zu verlieren

Auch die jüngste Tochter der dreifachen Mutter lebt nun wieder bei Janett. „Das gibt mir auch wieder mehr Energie.“ Die neunjährige Aylin wird von Serife angeleitet und an Tagen, an denen es ihrer Mutter nicht gut geht, unterstützt. Ihr Bruder Deniz lebt bei seinem Vater.

Neben der Wiederkehr von Aylin konnte sich Janett noch einen weiteren Wunsch erfüllen: Im März heiratete sie ihren neuen Partner, Matthias Rohe. „Ich hätte nicht vermutet, dass ich das gesundheitlich schaffe.“ Dennoch bleibt noch einiges zu regeln. Die wichtigste Frage ist: Wo bleiben die Kinder? Janett versucht, das noch vor ihrem Tod zu klären. Auch die Geldsorgen machen ihr zu schaffen. Derzeit versucht sie für ihre Jüngste die Nachhilfe zu finanzieren. Auch das Erfüllen von kleineren Wünschen der Kinder ist schwer. Im Café Schräubchen im Hagebaumarkt hat sie eine Spendendose aufgestellt, deren Einnahmen der Familie das Leben erleichtern soll.

Eine Sorge weniger sind die Kosten der Beerdigung – diese werden von Radio Antenne bezahlt. Darüber hinaus weiß sie auch, wo sie sterben möchte. Um ihrer Familie die tägliche Erinnerung an ihren Tod zu ersparen, möchte sie nicht zu Hause sterben, sondern in einem Hospiz. Bis dahin nutzt die 37-Jährige jeden Tag aus. „Ich hoffe, dass ich noch viel Zeit mit meinen Töchtern verbringen kann.“

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Anna-Lena Sachs Redakteurin / Online-Redaktion
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