Harpstedt Die Motoren vibrieren, der rote Lack glänzt, und ein lautes Pfeifen gibt das Startsignal für die Passagiere: Es geht los. Die alte Lok fährt an, und mit ihr drei Waggons mit interessierten Besuchern. Erstmals seit 52 Jahren befördert die Lok 222 wieder Personen auf der Strecke Harpstedt-Delmenhorst – eine Wiederinbetriebnahme, die die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF) am Sonntag mit vielen Gästen feierten.

„Die Lok 222 ist für sich schon etwas Besonderes“, sagte Projektleiter Torben Kluwe. 31 000 Euro habe der Verein in die Restaurierung gesteckt, und rund zehn Aktive hätten ehrenamtlich 5000 Arbeitsstunden investiert. Neuer Motor, neues Getriebe, eine alte DDR-Lok ist gekauft worden, um als „Ersatzteillager“ zu dienen. Fünf Jahre hat es gedauert, die Lok wieder fahrtüchtig zu bekommen. „Wir sind dafür da, solche Museumsstücke zu erhalten. Die Mitglieder arbeiten in ihrer Freizeit daran.“ Für dieses „bürgerliche Engagement“ bedankte Kluwe sich bei allen Eisenbahnfreunden.

Dritte Lok in Sammlung

Die Lok 222 soll vorwiegend im Rangierbetrieb auf dem Bahnhofsgelände fahren sowie im Kurzfahrbetrieb auf der Strecke Harpstedt-Delmenhorst genutzt werden, beispielsweise für Ausflüge. Damit ist sie neben der Dampflok und der Lok 7 die dritte Lok in der Museumssammlung.

„Wir müssen alles unternehmen, um euch zu erhalten“, sprach bei der Einweihung auch Stefan Wachholder, Bürgermeister des Fleckens Harpstedt, den Vereinsmitgliedern seine Anerkennung. Denn: „Ihr seid unser Aushängeschild.“

Nach ihrer Erbauung 1935 wurde die Lok 222 zehn Jahre lang in der Luftmunitionsanstalt in Harpstedt (Dünsen) gefahren. Zum Kriegsende hin wurde sie durch einen Sprengversuch stark beschädigt. Sie wurde repariert und danach bei der Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn und weiter in Hamburg eingesetzt. Seit 1988 war sie nicht mehr fahrtüchtig und diente schließlich noch als Denkmal- und Spielplatzlok. Als die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde die Bahn 1994 in einem sehr schlechten Zustand in Hamburg wiederfanden, holten sie sie nach Harpstedt zurück.

2007 sei die Lok von einer Firma in Delmenhorst äußerlich aufgearbeitet worden, berichtete Joachim Kothe, Pressesprecher des Vereins. Zwei Jahre später habe sie auf dem Gelände der DHEF als Denkmal in neuem Glanz erstrahlen können. 2013 kam den Eisenbahnfreunden die Idee, die Lok wieder in den Fahrbetrieb aufzunehmen, sagte Kothe und nannte Gründe: „Weil sie schön ist und hierher gehört. Und weil sie auf lange Sicht die alte Diesellok, die Lok 7, ersetzen soll.“

20 Tonnen schwer

Die Lok 222 hat 100 PS und wiegt 20 Tonnen. 30 km/h ist ihre Höchstgeschwindigkeit. Bis 1967 sei sie im Personenverkehr eingesetzt worden, so Kothe, danach noch einige Zeit im Güterverkehr.

Jetzt rollt die alte Diesellok wieder. Rund 50 Besucher der Einweihung hatten als erste Fahrgäste die Gelegenheit zu einer Reise nach Heiligenrode. Ob die Lok 222 jetzt die nächsten 50 Jahre fahren solle? Kothe lachte. „Das kann man bei diesen ,alten Damen’ leider nicht genau vorhersagen.“


Ein Video sehen Sie unter   www.nwzonlline.de/videos 
Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.