Harpstedt Er muss ein resoluter Zeitgenosse gewesen sein, dieser Harpstedter Amtmann Gebhard Eberhard Wordtmann. Pragmatisch – und auf Vorsorge bedacht. So ließ er 1696 für sich und seine Frau in der Harpstedter Kirche „unter dem Hauptgange, der großen Tür gegenüber“ ein Grab vorbereiten, auch schon eine große Grabplatte mit Familienwappen und Inschriften hauen. Nur: Weder Grab noch Platte wurden für den gedachten Zweck genutzt. Im Gesprächskreis zur Geschichte Harpstedts wurde nun angeregt, die imposante Platte – und damit ein Stück Fleckengeschichte – ans Licht zu bringen.

Wordtmann, am 15. Mai 1640 in Hannover geboren, habe ein Gut in Bremen-Neustadt besessen, erklärte der Harpstedter Archivpfleger Günter Kastendieck zu den Hintergründen. Amtmann in Harpstedt sei er von 1684 bis 1713 gewesen.

Rustikal mutet heute an, wie Wordtmann in Harpstedt „regierte“. Nachzulesen ist das in der Chronik des Harpstedter Amtsschreibers Johann Heinrich Redeker (1682 bis 1764), die zwar bei einer Bombardierung Hannovers im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, aber zum Glück wenige Jahre zuvor vom Harpstedter Lehrer Robert Grimsehl abgeschrieben worden war.

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Ein Beispiel? „1690 hatten Einwohner aus Twistringen aus Kieselhorsts Revier Holz gestohlen“, erzählt Kastendieck. Amtmann Wordtmann organisierte daraufhin „nachdrücklichen Gegenschatze“: Er zog mit Harpstedter Bürgern, die sich eigens bewaffneten, sowie Untertanen aus Dörfern in die zum Kirchspiel Twistringen gehörende „Dömse“ (Dehmse) und ließ ein Dutzend große Eichen umhauen. Dann machte sich die Gesellschaft mitsamt Beute eilig auf den Heimweg. Als die Twistringer die Sturmglocke läuteten und sich versammelten, „hatten die Harpstedter mit ihrer Beute schon die Grenze erreicht“, weiß Kastendieck.

Warum die Gruft des Amtmanns leer blieb? Wordtmann, so erklärte der Archivpfleger, sei 1713 quasi in Rente gegangen und auf sein Gut zurückgekehrt. Er habe eine „Gnadenbesoldung“ von 4 Talern im Monat erhalten. 1717 sei der Ex-Amtmann gestorben und im St. Petri Dom in Bremen begraben worden. „Es gibt heute noch eine Tafel, auf der sein Name aufgeführt ist.“

Und die Grabplatte? Hier erinnerte Kastendieck daran, dass im Jahr 1739 ein großer Brand den Ort Harpstedt in Schutt und Asche legte. Auch die Kirche sei den Flammen zum Opfer gefallen. Beim anschließenden Neubau seien Grabsteine als Trittsteine verwendet worden – offenbar auch der Wordtmann-Stein.

Jetzt gelte es herauszufinden, wo der Stein liegt und ob er gegebenenfalls wieder aufgerichtet werden könnte.

Übrigens: Die Recherche fügt sich ein in die Bemühungen des Archivs der Samtgemeinde, mehr herauszufinden über die Amtmänner und Amtsschreiber in Harpstedt.

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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