Harpstedt Ein Friedhof ist ein Ort der Trauer, sagt Martina Möhlmann. Aber: „Er kann auch ein Ort des Lebens sein“, betont sie am Sonntag während der Führung über den Harpstedter Friedhof. Unter dem Titel „Perspektivwechsel“ hat sie zusammen mit Friedhofswärter Reinhold Jürgen zwölf Frauen und Männer über das Gelände geführt – und dabei die Geschichte von der Vergangenheit bis zur Gegenwart erzählt.

Der Friedhof biete Raum für Tiere und Pflanzen, erklärt Möhlmann weiter. 17 Linden stehen unter Naturschutz, „eins von 80 Naturdenkmälern in der Samtgemeinde“. Mehr als 70 Linden säumen zudem einen Weg, „es ist beeindruckend“.

Der Friedhof befindet sich seit 1860 am Börderweg. In den Jahren zuvor war laut Zeitdokumenten rund um die Kirche, wo sich zuvor der Friedhof befand, Verwesungsgeruch festgestellt worden. „Deshalb hat man den Friedhof verlegt“, fährt Möhlmann fort, während sie in der Mitte eines gepflasterten Kreises steht – einem besonderen Ort: Dort befand sich die ehemalige Leichenhalle. Durch einen Luftangriff während des Zweiten Weltkrieges am 24. Juli 1940 wurde die Halle zerstört. „Es passierte um kurz nach 2 Uhr nachts. Es gab mindestens zwei Tote“, erzählt Möhlmann.

Der Gang über den Friedhof wird fortgesetzt: Zum Grabstein von Pastor Adolf Schulz, der sich der Bekennenden Kirche zugewandt hatte und von der Ortsgruppe der NSDAP mit Übergriffen unter Druck gesetzt wurde. 1935 nahm er sich das Leben. Vorbei am ältesten Grabstein von 1862 weiter zur Grabstelle für Gefallene des Zweiten Weltkriegs, deren familiäre Hintergründe nie geklärt wurden. „Wir sind am Ende des traurigen Kapitels angelangt“, sagt Möhlmann am Sammelgrab von Zwangsarbeitern.

Angekommen in der Gegenwart, stellt sie die „Steine im Wind“ vor: Seit 2016 werden im Rahmen des Projektes Grabsteine aufgegebener Gräber beieinandergelegt. „Ich finde es toll, dass die Steine nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Möhlmann.

Auch auf den „Sterngarten“ geht die Gästeführerin ein: Zum zehnjährigen Bestehen verzichtete der Hospizverein der Samtgemeinde Harpstedt 2017 auf eine Feier. Stattdessen legte er einen „Sterngarten“ für Eltern an, deren Kind während oder nach der Schwangerschaft gestorben ist. Die Skulptur in dem Garten schuf Heidrun Kohnert.

Friedhofswärter Jürgen, seit Februar 2018 im Amt, stellt zudem die Plätze für „halbanonyme Bestattungen“ vor: 60 Gräber und Urnen sind auf dem ersten Platz, seit April finden Beerdigungen auf einem neuen Platz statt.

Trauerfälle aus der Region sowie Ratgeberartikel zum Thema Trauer.

NWZ-Trauer.de
Trauerfälle aus der Region sowie Ratgeberartikel zum Thema Trauer.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.