GANDERKESEE „Initiative Volkslied für Ganderkesee“ nennt sich das Duo. Die Songs sind mal abstrus, mal kabarettreif – und immer witzig.

Von Hergen Schelling GANDERKESEE - Nichts gegen Paris! Aber der Chanson „Oh Champs Elysées“ schrie eigentlich schon nach einer deutschen Übersetzung, als Joe Dassin das französische Original zum ersten Mal ins Mikro röhrte. Es hat dann aber doch ein paar Jahrzehnte gedauert, bis jemand die

Initiative übernahm: die „Initiative Volkslied für Ganderkesee“. Folgerichtig als „Oh Ganderkesee“ kam ihre Version daher – „das ist die einzig logische hochdeutsche Übersetzung“, ist Jochen Brünner überzeugt.

Der 40-jährige Delmenhorster Journalist und sein ein Jahr jüngerer Freund und Berufskollege Michael Walter aus Syke stecken hinter der „Initiative“, die konsequent lokale Ereignisse in bekannte Melodien verpackt und zu handgemachten Gitarrenklängen höchst unterhaltsam vorträgt. 1999 feierten die beiden ihre gemeinsame Premiere auf der Büttenabend-Bühne – mit eben jenem „Oh Ganderkesee“, das beim Publikum auf Anhieb einschlug wie ein Chart-Hit. Ein echter Gassenhauer, der auch jetzt noch auf Büttenabenden zu späterer Stunde und in fortgeschrittenem Allgemeinzustand selig gegrölt wird. „Dann hat man’s doch geschafft“, stellt Interpret Brünner zufrieden fest, „dann ist man in den Köpfen.“

Da sind auch noch andere Werke von ihnen hängengeblieben, an die sich die beiden Hobby-Musiker selber ebenso gerne erinnern. Zu John Denvers „Country roads“ etwa dichteten sie die legendäre Zeile: „Fette Weiden, schöne Maiden, selten Schnee – Ganderkesee.“ Unvergessen auch „Bookholzberg“, die traurige Geschichte einer jungen Einheimischen zur Melodie von Howard Carpendales „Ti amo“ – der Brüller von 2004 war ein Jahr später noch als Zugabe gefragt.

Wie kommt man auf solche Texte, die mal abstrus, mal kabarettistisch und immer witzig sind? Es ist Jahr für Jahr das gleiche Ritual: Die beiden treffen sich bei Walter in Syke, essen fein miteinander und ziehen sich dann ins Musikzimmer zurück. „Die Grundidee ist meistens schon da“, erklärt Brünner. Ganderkeseer Geschehnisse werden danach abgeklopft, welche – möglichst allgemein bekannte – Melodie zu ihnen passt. „Meistens haben wir pro Song nur einen Abend gebraucht“, sagt der Delmenhorster. „Aber letztes Jahr“, fällt ihm Michael Walter ins Wort, „hatten wir nach drei Abenden noch überhaupt nichts“. Und nach der Abnahme durch das Büttenabend-Komitee wurde das ganze Programm noch einmal umgeschmissen.

Die beiden sind ein eingespieltes Team, sie haben schon Anfang der 90er, als sie gemeinsam bei einem Delmenhorster Verlag arbeiteten, auf Betriebsfeiern „die Befindlichkeiten des Hauses liebevoll persifliert“, wie Walter sich erinnert. Die beruflichen Wege trennten sich, aber musikalisch fanden sie Jahre später beim Fasching wieder zueinander. Jochen Brünner hatte sich ein Jahr vorher bereits als Büttenredner versucht: Der Auftritt als Zeitungs-Junge war ein echter Lacherfolg, aber Brünner hat damals schon erkannt: „Reden ist furchtbar“. Oder, wie Michael Walter es ausdrückt: „Reden ist Silber – Singen ist Gold“.

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