Ganderkesee Ein Auftritt voller Emotion: Das Konzert des palästinensisch-syrischen Pianisten Aeham Ahmad im Rathaus am Samstagabend erlaubte den 120 Besuchern, den Schmerz und die Hoffnung des 31-Jährigen mitzuerleben, der vor dem IS aus Jarmuk fliehen musste.

Der Abend war aber nicht nur einer der Musik: Zusammen mit Bildern der Künstler Ayman Aldarwish und Nasim Kasem, die noch bis Februar im Rathaus zu sehen sind, syrischen Delikatessen vom Arbeitskreis Flüchtlinge und nicht zuletzt der Gelegenheit, mit Syrern ins Gespräch zu kommen, erlebten Gäste im Rathaus einen „syrischen Abend“ für alle Sinne.

Biografie zum Klavierspiel

Begleitend zum Spiel von Ahmad wurden Abschnitte aus seiner Biografie von Mechthild Henne, einer Freundin seiner Familie, auf Deutsch vorgelesen. So erfuhren die Gäste von dem blinden Vater, der seinen Sohn zur Musik brachte, von Lebensmittelknappheit in Damaskus und wie sich Ahmad entschloss, gegen den Hunger anzuspielen. Ein Mädchen wurde vor seinen Augen erschossen, eine Granate durchtrennte die Sehnen an zweien seiner Finger und zuletzt verbrannte der IS sein Klavier – weil Musik eine Sünde sei. „Man wird eine der grauen Gestalten, die schon immer in Elend gelebt haben“, hieß es.

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Weniger Worte bedurfte dagegen das Spiel von Aeham Ahmad selbst, der einige Passagen selber auf Arabisch und Deutsch begleitete, an vielen Stellen aber einen Klagegesang ohne Sprache anstimmte. Aufregung, Schmerz und Angst, aber auch Hoffnung wurden dabei nahezu greifbar. Auf dem Klavier wechselten sich ruhige Passagen mit hektischem Spiel ab, dabei zitierte Ahmad ausgiebig aus Stücken quer durch alle Stile und Epochen der Musikgeschichte, von großen Komponisten wie Mozart bis hin zu Volksliedern wie „Die Gedanken sind frei“.

Wiedersehen nach fünf Jahren

Zu einem freudigen Ereignis kam es am Abend noch, als die Syrerin Kawthar Hateni, die ebenfalls aus Jarmuk floh und heute in Kirchseelte lebt, Aeham Ahmad als einen Freund ihrer Eltern wiedererkannte. Zuletzt hatte sie Ahmad vor fünf Jahren gesehen, dass er der Klavierspieler des Konzerts war, sei ihr nicht bewusst gewesen, sagte sie: „Ich habe bei der Begrüßung erfahren, dass er aus dem gleichen Ort wie ich kommt.“ Die Musik und den Gesang zu hören sei aber ein gutes Gefühl gewesen, versicherte Hateni. „Es hat mich beruhigt und gleichzeitig in die Vergangenheit zurückversetzt.“

Arne Haschen Redakteur / Redaktion Ostfriesland
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