Ganderkesee Wenn sich montagabends um 20 Uhr die Ganderkeseer Guttempler im Anbau des Jugendzentrums Trend in Ganderkesee treffen, sind Erwin Wendt und Bernhard Kühn – oder auch mal andere Mitglieder – immer schon eine halbe Stunde früher da. „Es könnte ja sein, dass jemand Neues kommt und das Gespräch sucht“, sagt Wendt, Leiter der Gemeinschaft von ehemaligen Alkoholkranken und ihren Angehörigen. Aber: „Das Interesse ist nicht sehr groß“, gesteht Kühn ein, der sich als Sekretär um die Verwaltungsaufgaben kümmert.

Gruppe schrumpft

Die Guttempler in Ganderkesee sind eine kleine Gruppe: Elf Mitglieder zählt sie derzeit noch, fast alle im Rentenalter – früher waren es mal mehr als 30. Zugänge gibt es kaum mehr. „Manche kommen ein- oder zweimal und meinen dann, sie hätten genug erfahren“, sagt Erwin Wendt. „Und am nächsten Tag sieht man sie wieder auf der Parkbank.“

Dort sieht man die elf, die bis heute dabeigeblieben sind, nicht. Sie alle haben durchgehalten, sind seit dem Eintritt in die Gruppe trocken – oder ihre Partner sind es. Denn bei den Guttemplern sind auch die Ehepartner oder Lebensgefährten der Kranken willkommen. Sie übernehmen eine wichtige Rolle, indem sie ihre Partner stützen und stärken. „Die Krankheit ist ja nie ganz weg. Sobald einer etwas trinkt, ist sie wieder da“, weiß Ruth Schneider, die mit ihrem Mann Hartmut zu den Gründungsmitgliedern der Guttempler-Gemeinschaft Ganderkesee gehört.

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40 Jahre ist das jetzt her: Am 28. Juli 1978 fand die Gründungsversammlung statt. Seitdem hat sich die Einstellung der Gesellschaft zur Alkoholkrankheit enorm gewandelt. „Die erste Zeit war schwer“, erinnert sich Ruth Schneider. Ihr Mann sei ständig bedrängt worden mit Sprüchen wie: „Trink’ doch einen mit, einer geht doch wohl.“ Geht aber nicht, das wussten Hartmut und Ruth Schneider.

Akzeptanz ist da

„Heute werden wir von unserem Umfeld akzeptiert und respektiert“, meint Bernhard Kühn. Erwin Wendt geht sogar regelmäßig zum Preisskat. „Bei vier Jungs muss man einen ausgeben“, erzählt er, „aber da werde ich ausgelassen. Der Wirt sagt immer zu mir: ,Mit Dir mache ich keinen Umsatz, aber ich freue mich, dass Du da bist’.“

Bei aller persönlichen Disziplin wissen die Guttempler indes, dass sie es ohne die Gruppe nicht geschafft hätten, so lange trocken zu bleiben. „Alleine bringt das nichts“, weiß Bernhard Kühn. Darum ist allen das wöchentliche Treffen so wichtig. Immer montags kommen sie zusammen, seit zwei Jahren in dem Nebenraum des Ganderkeseer Jugendzentrums. Vorher waren die Guttempler lange in der Alten Schule in Bookhorn zuhause.

Die Themen des Abends sind lange vorher festgelegt worden. Oft drehen sie sich um Alkohol, aber nicht immer. „Wir laden uns auch mal Referenten zu besonderen Themen ein, zum Beispiel einen Jäger“, sagt Erwin Wendt. Doch egal, worum es geht – ein Grundsatz gilt seit 40 Jahren: „Was in diesem Raum gesprochen wird, bleibt auch in diesem Raum.“

Feier zum 40.

Zum 40-jährigen Bestehen wird allerdings der Raum gewechselt: Am Sonnabend, 28. Juli, feiern die Ganderkeseer Guttempler ihren runden Geburtstag mit einem gemeinsamen Essen in der „Waldschänke“ am Fernsehturm in Steinkimmen. Ganz normal in einer Gastwirtschaft – nur ohne Alkohol.

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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