FRAGE: Herr Kramer, stimmt der Eindruck, dass man als Satiriker nichts ernst bzw. zu wichtig nehmen darf - nicht einmal sich selbst?

KRAMER: In meinem Fall stimmt das nur bedingt. Leider nehme ich viele Dinge häufig zu ernst, was der Grund dafür ist, dass ich mich dann in meinen Texten darüber lustig mache. Mit Humor lässt sich eben vieles leichter ertragen und man bemerkt, dass ernste Themen oft auch eine absurde, satirische Seite haben und gar nicht so wichtig sind, wie man vielleicht anfangs dachte. Es ist als Satiriker ein Muss, sich selbst nicht so ernst und wichtig zu nehmen, da man ja ein Teil der Gesellschaft ist, die man kritisiert und auf die Schippe nimmt. Außerdem darf man, finde ich, erst über andere lachen, wenn man es über sich selbst auch kann.

FRAGE: Gibt es deshalb so wenige Satiriker in Deutschland?

KRAMER: Es gibt ja eine Menge satirischer Bücher und TV-Formate. Was davon überhaupt Satire und dann auch noch gute ist, ist Ansichtssache und eine Frage des Geschmacks. Ich habe keine direkten Vorbilder, da ich mich gar nicht so beeinflussen lassen möchte von Menschen, die sich mit ähnlichen Thematiken beschäftigen. Ich lasse mich eher von Musikern wie Kate Bush, der Band Silly und dem Autor Walter Moers inspirieren – weniger inhaltlich, eher dahingehend, was sie mit ihren Werken emotional bei mir bewirken.

FRAGE: Als Leser kann man sich schwer vorstellen, dass Sie sich beim Schreiben ihrer Reimteile an den Schreibtisch vor ein weißes Blatt Papier oder einen Computer gesetzt und sich dann Zeile für Zeile vorangearbeitet haben. Wie viel ist wirklich zähes Bohren von Brettern und wie viel die kreative Eingebung?

KRAMER: Es ist eine Mischung aus allem, wobei der technische Teil in den Jahren mehr Einfluss gewonnen hat. Anfänglich hatte ich wirklich immer Papier und Stift dabei, da mir auch heute noch die besten Ideen unterwegs einfallen. Mittlerweile nutze ich vermehrt den Computer und brüte in meiner Höhle meine Texte aus, wobei mir aber häufig ein verschmierter Zettel als Vorlage dient, auf dem ich meine Einfälle gekritzelt hatte. Das kann auf dem Fahrrad genauso gut gewesen sein, wie auf dem Klo. Dann entstehen Werke, die mir ganz leicht von der Hand gehen oder eben jene, für die ich auch schon mal ein paar Wochen benötige, weil ich sie immer wieder vor mich her schiebe.

FRAGE: Der Westerholter Badesee taucht in Ihrem neuen Buch auf. Wie viel „Wardenburg“ steckt in Ihrem Buch? Ist das ruhige, beschauliche Achternmeer genau der richtige Ort zum Schreiben?

KRAMER: Am Westerholter Badesee hatte ich mich im letzten Sommer tatsächlich fast in einen dieser beschriebenen Wegschmeiß-Grills gesetzt, wobei es eigentlich jeder See auf der Welt sein könnte, an dem sich die Menschen erst vergnügen und dann ihren Müll entsorgen. Es gibt zwar keinen wirklich konkreten lokalen Bezug, aber ich lasse mich von dem inspirieren, was mir so begegnet, und das natürlich auch vor Ort. Achternmeer eignet sich gut zum Schreiben, da es hier wirklich sehr ruhig ist, obwohl ein Großteil des neuen Buches an der rauen Nordsee entstanden ist.

FRAGE: Satire muss ja nicht unbedingt als Gedicht daherkommen, haben Sie schon mal darüber nachgedacht, Prosa - wie z.B. Ephraim Kishon - zu schreiben?

KRAMER: Natürlich habe ich schon mehrfach darüber nachgedacht – nur fehlen mir dafür leider momentan noch das Durchhaltevermögen und die literarische Kompetenz. Vielleicht irgendwann einmal. Nie würde ich meine Werke mit denen hochrangiger Autoren vergleichen. Ich habe das Verfassen von Reimen als passendes Instrument gefunden, meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Für mein Schaffen habe ich scherzhaft den Begriff der Fast-Food-Literatur gewählt – schnell konsumiert und (hoffentlich) lange auf der geistigen Hüfte.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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