HUDE Politisches Kabarett zum Nachdenken bot Marc-Uwe Kling mit seinem Solo-Programm am Donnerstagabend 70 Zuhörern in Hude. „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“, lautete sein Abgesang auf die SPD. Auch Kurt Beck durften bei Marc-Uwe Kling in den Chor der Arbeiterkinder, den der Kabarettist sich zu diesem Lied wünschte, einstimmen. Textlich brillant und musikalisch überzeugend begeisterte er im Forum der Peter-Ustinov Schule mit „dummen“ Liedern, Gedichten und Geschichten aus seiner WG mit einem kommunistischen Känguru. Zu seinen Lieder begleitete er sich am Klavier oder mit seiner giftgrünen Gitarre. „Die Farbe ist kein politisches Statement“, stellte Kling klar.

Der Künstler brauchte keine großen Gesten, um das Publikum zu unterhalten. In seinem Programm „Wenn alle Stricke reisen, kann man sich nicht mal mehr aufhängen“, überzeugte er mit einem satirischen Blick auf die Gesellschaft. „Wir sind schleckerisiert“, lautete sein Urteil. Bei so viel Einheitsbrei in den Innenstädten sei es gut, dass in Deutschland Hinweisschilder den Aufenthaltsort verrieten, lobte Marc-Uwe Kling die Kampagne „Du bist Deutschland“, auch wenn das „in“ vergessen worden sei.

Nach der Pause zeigte der Kabarettist sich überrascht, dass noch alle Zuhörer da waren. Normalerweise blieben nur die zwei Herren vom Verfassungsschutz bis zuletzt, erklärte er und sang sein Lied über Josef Ackermann, in dem er den Bank-Chef scharfzüngig niedermacht.

Auch mit der Tücken der neuesten Technik setzte Kling sich auseinander „Intelligente Maschinen lassen mich zum psychotischen Monster werden“, sagte er. Für seinen PC wünschte sich der Nachwuchskomiker eine „Ja-Ja-Arschlecken“-Taste und traf damit den Nerv des Publikums. „Ganz besonders gut hat mir die Geschichte über den Computer gefallen“, lobte Elke Reinecke.

Der Kabarettist scheute sich auch nicht, sein Publikum um zehn Millionen Euro für einen Film zu bitten. Oder mit einem Lied für den Kauf seiner CDs zu werben. Beenden konnte der Künstler sein Programm erst nach zwei Zugaben. Beim Protestlied „Scheißverein“, durfte auch das Publikum seine Wut auf Politiker, Konzerne und andere rauslassen. Zuerst stimmten die Huder nur zögernd ein, doch am Ende ertönte „Scheißverein“ aus allen Kehlen. „Sei froh, dass du du bist und nicht dieser Fisch“ verabschiedete sich Kling mit der Geschichte über eine rückgratlose Makrele.

Zwei Stunden lang unterhielt Kling sein Publikum, das anschließend angeregt über die Texte debattierte. „Das ist Comedy, bei der man seinen Grips einschalten muss“, fand Inge Reiche. „Toll, dass in Hude so etwas geboten wird“, lobte sie die Organisatoren von „Impuls“.

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