ELMELOH „Wir fühlen uns als diakonische Einrichtung – und wollen es auch bleiben“: Wolfgang Walter, zusammen mit Jörg Emken Vorstand des evangelisch-lutherischen Wichernstifts, ließ auf Nachfrage keinen Zweifel daran, dass sich der Verein mit dem Ausschluss aus dem Diakonischen Werk der hannoverschen Landeskirche nicht abfinden wird. Es ist allerdings nicht allein das Selbstverständnis, das den Wichernstift-Verein dazu bringt, juristische Schritte einzuleiten. Als diakonische Einrichtung sei es langfristig leichter, auf dem zunehmend leer gefegten Arbeitsmarkt qualifiziertes Personal zu finden, sagte Walter der NWZ . Außerdem gibt es auch einen finanziellen Aspekt. Beim Ausstieg aus dem Kirchentarif müsste die Zusatzversorgung der Mitarbeiter, deren Ansprüche sich im Laufe der Zeit aufsummiert haben, kapitalisiert werden – ein finanzieller Kraftakt, der schwerlich zu bewältigen wäre.

Walter ist zuversichtlich, dass der Klageweg zum Erfolg führt. Aus seiner Sicht ist auf der jüngsten Mitgliederversammlung der Diakonie Hannover der im Dezember verkündete Ausschluss des Wichernstifts von 51 Prozent der Anwesenden bestätigt worden. Notwendig sei aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Strittig ist, wie die hohe Zahl der Enthaltungen zu werten sei. „Wir ärgern uns, denn es haben nur drei Stimmen gefehlt, um den Ausschluss definitiv abzulehnen“, sagte Walter der NWZ . Nun stehe der zivilrechtliche Klageweg gegen den Rausschmiss offen.

Ob der Verein gegen die Organisation, die ihn am 1. September 1948 gegründet hat, tatsächlich vor Gericht zieht, ist allerdings noch mit einem Fragezeichen versehen. Denn es gibt Gespräche mit dem Diakonischen Werk der evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg. Dort sind zwei Einrichtungen des Wichernstifts, die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie die Wichernschule, eine staatlich anerkannte Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, bereits Mitglied.

Die Gespräche über den kompletten Wechsel des Vereins und seiner restlichen Einrichtungen ins Diakonische Werk Oldenburg „sind aus unserer Sicht sehr weit gediehen“, sagte Walter. Wann der Aufsichtsrat eine Entscheidung trifft, ist aber noch offen. Er hoffe, dass spätestens bis Jahresende Klarheit herrscht, meinte der Vorstand. Im positiven Fall könne darauf verzichtet werden, sich den Verbleib im Diakonischen Werk Hannover einzuklagen.

Eine Einrichtung des Wichernstifts wird so oder so keinen diakonischen Status mehr bekommen. Das Altenpflegeheim ist aus Kostengründen aus dem Kirchentarif ausgestiegen. Das war seinerzeit der Hauptgrund für den in Hannover betriebenen Ausschluss.

Wolfgang Loest Redaktionsleitung / Redaktion Ganderkesee
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