Wildeshausen Als „Schmerz, den es so noch nie gegeben hat“, „Wanderung durch eine nie endende Wüste“ oder als „Unsicherheit, verrückt zu werden“ – so oder ähnlich beschreiben die Menschen ihre Gefühle, die sich im Trauergesprächskreis der Wildeshauser Hospizhilfe einfinden. Jeden ersten Dienstag im Monat von 19.30 bis 21 Uhr laden die beiden Trauerbegleiterinnen Ulla Meier–Sperling und Iris Schaar ins Hospizzimmer des Krankenhauses Johanneum ein. „Viele Angehörige werden mit der Trauer nicht fertig. Wir wollen ihnen in dieser schwierigen Zeit helfen“, betont Meier-Sperling. Die Heilpädagogin kam über ihren Beruf zum Ehrenamt in der Hospizhilfe. Das ist inzwischen rund 20 Jahre her. Bereut hat die 64-Jährige diesen Schritt ebenso wenig wie ihre Kollegin Iris Schaar, die sich vor drei Jahren zur Trauerbegleiterin weiterbilden ließ.

Die 52-Jährige kam über ihre zehnjährige Tätigkeit im Besuchsdienst der Kirche zur Hospizarbeit. „Ich höre gerne zu“, erklärt Iris Schaar schlicht und spricht damit etwas ganz Wichtiges an: Vielen Trauernden hilft es nämlich, sich einfach mal alles von der Seele zu reden. „Trauernde sind oft die besten Trauerbegleiter und therapieren sich gegenseitig“, ergänzt Meier-Sperling – und betont, dass nichts von den Gesprächen nach außen dringe.

Aus vielen Gesprächen weiß die Wildeshauserin, wie wichtig es gerade in der modernen schnelllebigen Gesellschaft ist, einen Raum für Tod und Trauer zu finden. „Jeder weiß, dass er sterben muss, aber keiner redet darüber“, resümiert die Expertin nachdenklich.

Zwiespältig sehen die Trauerbegleiterinnen, dass die schwarze Trauerkleidung immer mehr ausgedient hat. „Damit wurde schließlich auch signalisiert: Vorsicht, geht achtsam mit mir um, denn ich bin in Trauer“, gibt Schaar zu bedenken. „Umso wichtiger ist es, dass wir hier eine Schutzzone für Trauer bieten“, ergänzt Meier-Sperling.

Es sind vielfach ältere Frauen, die den Weg in das gemütlich eingerichtete Hospizzimmer im Untergeschoss des Krankenhauses finden. Nach einer kurzen Begrüßungsrunde wird geredet. „Manche Trauernde kommen nur einmal, manche öfter und manche sind nach einem halben Jahr plötzlich wieder da“, berichtet Schaar. Teils seien sogar schon Freundschaften unter den Teilnehmern entstanden.

Doch trotz ihres großen Engagements und ständiger Weiterbildungen können auch Meier-Sperling und Schaar nicht allen Trauernden helfen. „Eltern, die ihr Kind verloren haben, leiten wir zum Beispiel an den Verein ,Trauernde Eltern’ in Bremen weiter, und auch für Menschen, die einen Angehörigen durch Selbstmord verloren haben, gibt es spezielle Beratungsangebote“, erläutert Meier-Sperling. Nach mehr als 15 Jahren ehrenamtlicher Arbeit sei der Trauergesprächskreis inzwischen gut vernetzt und kenne die passenden Adressen.

Auf Wunsch bieten die beiden Trauerbegleiterinnen übrigens auch Einzelgespräche an. Telefonisch sind sie über die durchgängig besetzte Zentrale des Krankenhauses erreichbar (Telefon 0 44 31/982-0).

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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