Dötlingen „KulturPur“ einmal anders erlebten rund 80 Freunde von Theater und Kunst am Freitagabend in der Kulturellen Begegnungsstätte im Heuerhauscafé in Dötlingen. Dabei brauchte die Dötlingen Stiftung als Veranstalterin diesmal nicht weit auf die Suche zu gehen, denn mit dem Wahl-Dötlinger Christian Bormann, der von Berlin aufs Land gezogen war, fand sie einen Schauspieler, Sänger, Komponisten und Kulturfreund vor Ort.

Zusammen mit der Pianistin Elona Schneider bot Christian Bormann einen unterhaltsamen, bisweilen dramatischen Abend rund um Wilhelm Buschs satirische Bildergeschichte „Die fromme Helene“, die Bormann zu einem lustvollen Musiktheater mit beißendem Humor verarbeitet hat. Bereits 60 Mal hatte er „Die fromme Helene oder Schwül war die Nacht“ an verschiedenen Orten aufgeführt. Nun auch an seinem neuen Lebensmittelpunkt Dötlingen.

Zum Jahresauftakt der Reihe KulturPur war dies eine gute Wahl. Die neu angeordnete Bühne ließ einen fast hautnahen Kontakt zwischen Protagonisten und Publikum zu – bei einer ungewöhnlichen Inszenierung.

1872 war „Die fromme Helene“ erschienen. Sie ist eine der populärsten Geschichten von Wilhelm Busch.

Zur Inszenierung des an die 100 Minuten dauernden Musiktheaters: Während Pianistin Elona Schneider auf dem Klavier musikalisch einführt, ist Bormanns markige Stimme schon von weither zu hören. Schwarzer Hut, Sonnenbrille, grelle rote Lippen. „Komm liebes Kind“, tönt es von der schrillen Gestalt. Die unheilvolle Geschichte nimmt ihren Lauf.

Nach Buschs Bildergeschichte wimmelte es in Lenchens Kopf von Gedanken an Onkel und Tante, an Streiche, aber auch Sehnsucht. Frivole Freuden in der Stadt können diese Sehnsucht nicht befriedigen. Schließlich heiratet die alternde Helene den alten Schmöck. Ein Verhältnis mit dem frömmlichen Vetter Franz, der später von einem Diener erschlagen wird, das Ersticken Schmöcks an einem Fisch – Helene findet keinen Frieden, trotz sich selbst auferlegter Buße. Alkohol und Rausch begründen ihren Untergang.

Bormann macht die Geschichte, gespickt mit Witz, Spott und beißender Kritik, zu einem wahren Verwandlungsspiel. Dabei schlüpft er in die Rollen der beteiligten Figuren. Eine „kleine Operette“, wie es sie in Dötlingen bislang noch nicht gegeben hat.

Überzeugend bringt Bormann sein schauspielerisches Können auf die Bühnenbretter. Sitzend auf dem Klavier, stolzierend auf dem Laufsteg, stehend, liegend, hockend – eben mitten im Leben. Dazu die sich steigernden Akkorde auf dem Klavier, die Dramatik wird bis zum Siedepunkt betrieben.

Unter dem Strich konnte sich Christian Bormann mit der Inszenierung beim Publikum, das nicht nur aus Dötlingen stammte, bestens einführen. Schließlich waren es vor allem die weiblichen Gäste, die das Stück feierten und nicht mit Beifall sparten.

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