Wildeshausen Diesem Musiker wünscht man sieben Leben. Warum? Damit er mehr solcher Stücke komponiert wie „Mein Leben in ein paar Minuten“. Darin komprimiert Henning Pertiet seine Höhen und Tiefen in den vergangenen Jahrzehnten – seine Abstecher in den Jazz, in die Klassik von Johann Sebastian Bach oder auch an die Kirchenorgel. Das Gute daran: Der Pianist hat immer wieder zurückgefunden zu dem, was er hervorragend kann und was er liebt – Boogie-Woogie und Blues.

Es muss nicht nachts um halb eins in einem Jazzkeller sein, um Henning Pertiet (Jahrgang 1965) genießen zu können. Es geht auch am Sonntagmorgen und fast konzertant im Wildeshauser Ratssaal. Dort steht ein klasse Flügel. Und dort gastierte Pertiet auf Einladung der Jazzfreunde Wildeshausen. Der Vorteil der Matinee: Der Pianomann spielte nicht nur Boogie-Woogie, meistens laut und schnell, sondern er nahm die zu wenigen Gäste auch verbal mit auf eine Reise in die Musikgeschichte.

Pertiet forderte die Gäste gar zum Tanzen auf; denn Boogie-Woogie war in den 1920er Jahren als Tanzmusik kreiert worden – „als eine Mischung aus Jazz, Blues, Folk und Country“, wie er sagte.

Vergnügen bereitete Pertiet nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Augen. Die Zuschauer reckten immer wieder die Hälse, um ihm beim Klavierspiel zuzusehen. Die Augen sahen, wie die linke und die rechte Hand scheinbar unabhängig voneinander spielten – beim Boogie-Woogie ist das sehr auffällig – doch im Ohr fügt es sich wieder zur Einheit zusammen. Dass er auch langsam und gefühlvoll kann, unterstrich der Boogist durch seine Bluesstücke.

Wie facettenreich der gebürtige Hamburger Henning Pertiet, der in Verden lebt, auf dem Klavier unterwegs ist, spiegelt sich in der CD-Galerie wider. Er geht nicht nur als Solist, sondern auch mit anderen Musikern auf der Bühne. Darunter ist auch eine CD mit seinem bekannten Onkel und Pianist Gottfried Böttger, bei dem er als junger Mann auch gerne mal in die „Lehre“ ging, wie Pertiet es umschrieb.

Er erinnerte auch an seinen Kollegen Vince Weber (Jahrgang 1953), der, so Pertiet, gesundheitsbedingt seit Jahren nicht mehr Klavier spielen kann“. Bei jedem Auftritt widme er ihm eines seiner Werke.

Der Stellenwert von Henning Pertiet ist auch daran abzulesen, dass er gerade für den „German Blues Award 2017“ nominiert worden ist. Ins Rennen geschickt wurde er von einer Jury des Vereins Baltic Blues, die aus Fachleuten der deutsche Bluesszene besteht.

Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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