Bookholzberg /Oldenburg Carl Röver wollte Bookholzberg zum „Oberammergau des Nordens“ machen: Der nationalsozialistische Gauleiter für Weser-Ems hatte den Bau der Freilichtbühne „Stedingsehre“ für die Masseninszenierungen des August-Hinrichs-Stückes „De Stedinge“ initiiert und er veranlasste 1936 auch die Gründung der „Stiftung Stedings­ehre“, um Kunst und Kultur der Region darzustellen. Zu den Aufgaben der Stiftung gehörte der Aufbau einer Kunstsammlung – und die gibt es heute noch, sie lagert im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.

„Diese Sammlung ist ein ganz besonderer Bestand an unserem Haus“, sagte Dr. Marcus Kenzler, der als Provenienzforscher am Landesmuseum dafür zuständig ist, die Herkunft von Kunstwerken zu klären. Am Dienstagabend informierte der Wissenschaftler den Ganderkeseer Ausschuss für Bildung und Kultur über die Sammlung. Teile davon könnten für das geplante Informations- und Dokumentationszentrum (IDZ) zur Freilichtbühne verliehen werden, bot Kenzler an.

Dietmar Mietrach, Vorsitzender des Fördervereins Freilichtbühne Bookholzberg, kommt darauf gerne zurück, wenn der Aufbau des IDZ durch den geplanten Kauf eines Hauses im ehemaligen Spieldorf der Bühne gesichert ist. „Die ganze Sammlung können wir nicht unterbringen“, weiß Mietrach, „aber wechselnde Ausstellungen wären möglich.“

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Werke verschollen

48 Gemälde, dazu 16 Grafiken und Zeichnungen umfasst die Sammlung nach Angaben Kenzlers. Einige Werke sind verschollen, teils schon früh durch Ausleihen oder Abgaben an NS-Funktionäre, vor allem aber nach 1945, als die britische Militärregierung die Sammlung beschlagnahmte. Erst 1952 wurde sie an das Land Niedersachsen übergeben und im Oldenburger Landesmuseum untergebracht. Gezeigt wurde sie dort nie, nur zwei Werke brachte Kenzler im vergangenen Jahr in einer Ausstellung zur Provenienzforschung unter.

Einige Gemälde seien von hoher Qualität, so Kenzler. In Euro lasse sich der Wert der Sammlung indes schwerlich beziffern. Der bekannte Oldenburger Maler Bernhard Winter (1871-1964) ist mehrfach vertreten, sogar ein Bild von Franz Radziwill (1895-1983) ist dabei – obwohl die Nazis dessen Kunst gar nicht schätzten. Carl Röver sei Radziwill aber verbunden gewesen, weiß Kenzler.

Inhaltlich betrachtet er die Kunstwerke als überwiegend „harmlos“. Nur ein Bild eines BDM-Mädchens und ein Porträt von August Hinrichs mit Hakenkreuz am Revers hätten einen ideologischen Anstrich. Ansonsten zeigt die Sammlung Brauchtum und Leben in der Region, Landschaften und Pflanzen. Und mehrere Porträts von Schauspielern der Aufführungen in Bookholzberg gehören dazu.

Passt ins Konzept

Für Dietmar Mietrach ist gerade die häufige Darstellung heimischer Brauchtümer und Riten von Bedeutung: „Das lässt erkennen, wie subtil hier für das Gedankengut der Nationalsozialisten geworben wurde“, findet er. Damit würde die Sammlung sehr gut den Zweck des IDZ erfüllen, die Propaganda und Ideologie des NS-Staates zu dokumentieren – und zu entlarven.

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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