GANDERKESEE Die Musik aus vier Jahrhunderten traf den Geschmack der Zuhörer. Die verlangten – und bekamen – zwei Zugaben.

Von Itte Jakob GANDERKESEE - Es schien, als sei der Ganderkeseer Fasching erst am vergangenen Sonnabend mit einem furiosen Kehraus im Lichthof des Rathauses beendet worden.

Sechs junge Musiker – Julia Belitz: Blockflöten, Michaela Götz: Performance, Blockflöte, Percussion, Elisabeth Seitz: Salterio, Johanna Seitz: Harfen, Michael Dücker: Lauten und Claas Harders: Gamben – entzückten die geradezu verzauberten Zuhörer in die musikalische und tänzerische Welt der Renaissance über Barock bis ins 20. Jahrhundert. Verbunden wurden diese musikalischen Hauptakte kontrapunktisch durch die so genannten „Masques“ mit Ausdruckstanz und liedhafter Untermalung.

Schon bei Masque II, dem ersten Hexentanz von Michaela Götz, wurde das Publikum zur allgemeinen Erheiterung mit rasch verteilten Percussionsinstrumenten aktiv ins Geschehen einbezogen. Temperamentvolle spanische Tänze aus dem 17. und 18. Jahrhundert steigerten die vergnügliche Stimmung, wobei Elisabeth Seitz mit ihrem Salterio-Solo nicht nur ihre ausdrucksstarke Musikalität bewies, – sie schien förmlich den Abend über mitzutanzen.

Bei Masque III explodierte dann förmlich die Stimmung, als die Tänzerin Michaela Götz ihre Darbietung mit einem pianissimo-Prusten begann, das sich steigerte zu einem höchst ansteckenden Hihihi-Hexengelächter. Alle Zuhörer lachten befreiend mit, – welch Spektakel im Lichthof! Als fast nicht mehr denkbare Steigerung verhaspelte sich die Flötistin Julia Belitz gekonnt wie seinerzeit Evelyn Hamann mit ihrer englischen „th“-Parodie einschließlich des gelispelten „Schlipszszes“ , um als Krönung ihrer Blockflöte effektvolle musikalische Tollheiten (folias) zu entlocken. Ungewolltes Verrutschen der weißen Papierperücke von Claas Harders als englischem Lord ließen das Lachen erst recht nicht verstummen.

Kaum wieder etwas ernster geworden, verursachte der bewusst trampelige Tanz in Masque IV wiederum herzhaftes Kindergelächter, während die Erwachsenen mehr die Ausdruckskraft der Tänzerin bewunderten. Ebenso beeindruckend wie köstlich der zweite Hexentanz auf dem Besen. Die Putzfrau des Rathauses wird ein paar Tage freibekommen!

Dann erloschen die Lichter beim Numi-numi-Schlaflied als Meditation, gefolgt von einer Traummelodie des zeitgenössischen Komponisten Dominig Bouchaud. Das Publikum blieb dennoch hellwach durch das Gamben-Solo von Claas Harders und dem in Musik umgesetzten Traum durch die Harfinistin Johanna Seitz.

Die heitere Symphony of Bird Calls als Masque V ließ dann bei wieder hellem Licht und Flötentönen als übermütigem Vogelgezwitscher den Frühling im Lichthof des Rathauses ausbrechen. Die raue Wirklichkeit draußen schien vergessen.

Das überaus animierte und froh gestimmte Publikum entließ die Künstler nicht ohne zwei Zugaben, wobei die Hexe mit der Wiederholung ihres zweiten Hexentanzes noch einmal heftig den Besen schwang und damit vehement und unübersehbar nach zwei überaus vergnüglichen Stunden den Kehraus im wahrsten Sinne des Wortes demonstrierte.

Das 29. Rathauskonzert findet am 13. Mai statt. Auf dem Programm steht dann unter anderem Wolfgang Amadeus Mozart KV 452 und Ludwig van Beethoven op. 16.

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