Tungeln Schwer zu schleppen haben die Freizeitmusiker jeden Mittwochabend: Rund 20 Kilo wiegt ihr Instrument samt Koffer, den sie einmal in Woche in den Tungelner Krug wuchten. Doch Klagen hört man aus dieser Gruppe im Alter 60 plus keine, denn alle kommen gerne und freuen sich auf ihre regelmäßigen Übungsabende. Das Akkordeon, das zu den Handzuginstrumenten gehört, verbindet die neun Hobbymusiker. Das Akkordeon-Orchester der Musikschule Karl-Heinz Husmann, dem sie angehören, probt bereits seit 26 Jahren im Tungelner Krug. Die Zukunft des Orchesters ist ungewiss, denn schon seit Jahren gibt es keinen Nachwuchs mehr.

„Die jungen Leute wollen heute kein Akkordeon spielen, sondern sitzen lieber am Keyboard oder am Computer“, bedauert Musikschullehrer Karl-Heinz Husmann, der zweimal in der Woche von Bremerhaven in die Gemeinde Wardenburg fährt, um im Tungelner Krug Musikunterricht zu geben. „Wir waren früher einmal 55 Musiker“, erinnert sich Husmann, der in der Montagsgruppe sogar nur noch drei Spieler unterrichtet.

Mit 61 angefangen

In beiden Gruppen dabei ist Marlies Mönnich, die seit etwa 35 Jahren mit Begeisterung dabei ist. „Ich fehle eigentlich nie; ich komme sogar, wenn ich Geburtstag habe“, erzählt die 67-jährige Oldenburgerin, die gebürtig aus Westerholt stammt. Früher spielte auch ihre heute 47 Jahre alte Tochter mit, aber die hörte nach einigen Jahren auf.

Eine der jüngsten Neuzugänge ist Gisela Bischoff (75) aus Achternholt: „Ich habe erst mit 61 angefangen, nachdem ich in Rente gegangen bin. Eigentlich hatte ich als Kind schon anfangen wollen, aber das hat nie geklappt, und später ließen dann die eigenen Kinder und der Haushalt keine Zeit.“ Die ersten drei Jahre seien Grundausbildung, es folge ein Jahr Orchesterausbildung und dann durfte Gisela Bischoff die ersten Auftritte mit bestreiten. „Gitarre lernt man schneller“, bemerkt Musiklehrer Husmann. Beim Akkordeon, ausgestattet mit 120 Bässen, 41 Schwarz-Weiß-Tasten und 13 Registerknöpfen, müsse man zwei Notenschlüssel gleichzeitig lesen.

Husmann selbst fing mit sechs Jahren das Akkordeonspielen an. Seine Ausbildung als Musikschullehrer erhielt er beim Musikinstrumenten-Hersteller Hohner in Baden-Württemberg. 1981 machte er sich selbstständig und unterrichtet seitdem an verschiedenen Instrumenten.

Das Repertoire des Akkordeon-Orchesters ist vielfältig. Es reicht von Musical- und Schlagermelodien über Volkstümliches bis hin zur Kaffeehaus-Musik. An öffentlichen Auftritten im Jahr gibt es momentan nur noch zwei: Dann treten die beiden Tungelner Gruppen am Volkstrauertag zusammen bei Wöbken (Hundsmühler Krug) auf; und einmal im Jahr sind sie in einem Altenheim zu Gast. Der einzige, der in dieser Truppe kein Akkordeon bedient, ist Heinrich Dirks. Er begleitet das Orchester auf dem Keyboard.

Ausflug und Grillfest

Aber auch die Geselligkeit untereinander kommt nicht zu kurz: „Einmal im Jahr unternehmen wir zusammen einen Tagesausflug, ein Grillfest und eine Weihnachtsfeier“, berichtet Gisela Bischoff.

Marlies Mönnich ist auch nach 35 Jahren von ihrem Instrument schwer angetan: „Es klingt einfach toll, und wenn ich mal Kopfschmerzen habe, greife ich zum Akkordeon und sie sind weg.“

->Wer Interesse hat beim Akkordeon-Orchester mitzuspielen, meldet sich bei Karl-Heinz Husmann unter Telefon 0471/313 65.

Marén Bettmann Wardenburg / Redaktion Wardenburg
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.