Sandkrug Keulen wirbeln durch die Luft. Einräder zirkeln zentimetergenau über den Trainingsplatz. Junge Artisten stemmen sich gegenseitig in die Luft. Wenige Tage vor dem großen Auftritt in der Veranstaltungshalle der Gemeinde Hatten, Schultredde 17, ist intensives Training angesagt.

Der Circus Sternchen, sein polnisches Pendant – die Circusschule Heca – und Kinder des Vereins Wellenbrecher (Nordrhein-Westfalen) bereiten zusammen eine Galavorstellung am Sonntag, 9. August, 16 Uhr vor. Als Trainingsgelände und zugleich Unterkunft dient die ehemalige Oldenburger Donnerschwee-Kaserne an der Schlieffenstraße. Im ehemaligen Offiziersheim liegen Matten auf dem Parkett. Junge Bodenakrobaten perfektionieren hier ihre Figuren wie zum Beispiel den „Flieger“, bei dem ein Akrobat gleich zwei weitere mit seinen Armen und Beinen in die Höhe stemmt.

Musik dröhnt durch die wegen der Hitze weit geöffneten Fenster. Draußen auf der großen Wiese des Gartens steht ein großes Zirkuszelt, doch es ist, bis auf ein paar Gerätschaften, leer. „Das ist unsere Rückzugsmöglichkeit, wenn es doch noch zu regnen anfängt“, sagt Anke Rinne vom Circus Sternchen. Doch danach sieht es nicht aus: Eher ist guter Sonnenschutz gefragt, wenn die polnische Trainerin Domenica auf dem Tennisplatz in der Mittagssonne spektakuläre Einradnummern probt.

Wenige Meter weiter wandeln zurzeit Bauarbeiter die ehemaligen Kasernen, zu Wohnungen um. Das Offiziersheim und sein Garten wirken dagegen wie ein großes Landschulheim.

Im Sommer 2014 trafen sich 70 Jugendliche und Trainer aus Deutschland (Circusschule Sternchen; Kinder des Vereins Wellenbrecher aus Nordrhein-Westfalen) und Polen (Circusschule Heca) zum ersten Mal in Polen in einem Camp. Diese Begegnung hat einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen – einige Kontakte bestehen immer noch – , dass beide Seiten beschlossen, in diesem Jahr wieder zusammenzuarbeiten – diesmal in Oldenburg.

Boden- und Luftakrobatik, Seil- und Kugellaufen, Einradfahren und Jonglage bilden die Schwerpunkte in den Workshops. Zusätzlich werden gemeinsame Circusnummern erarbeitet und auch Theaterworkshops gegeben. Aber nicht nur Circus steht im Fokus der Teilnehmer, auch für andere gemeinsame Aktivitäten wie ein Fußballturnier, Speedminton, Feuerjonglage und Schwarzlichtevents bleibt Zeit. Kommuniziert wird auf Englisch, Deutsch und mit Händen und Füßen. Alles, was so nicht ausgedrückt werden kann, übernehmen Dolmetscher.

Anke Rinne gefällt das ungewöhnliche Zirkusprojekt vor allem, weil es viel mehr ist als eine bloße Verdoppelung der Show-Nummern. „Alle Gruppen sind gemischt. Heca und Sternchen werden eigene Auftritte haben, aber auch gemeinsame Nummern zusammen mit den Wellenbrecher-Kindern auf die Bühne bringen“, verrät sie.

Denn es geht im Grunde nicht nur um den Zirkus. Wenn sich Jugendliche auf vertrautem Gebiet begegnen, öffnen sie sich automatisch gegenüber der anderen Kultur, so die Erfahrung.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tz/oldenburg-land 
Video

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.