Bookholzberg Die Feier zum zehnjährigen Bestehen des Arbeitskreises Stedingsehre am Sonnabend auf dem Gelände des Berufsförderungswerks (BFW) in Bookholzberg war weit mehr als eine Jubiläumsfeier: „Wir sind einen enormen Schritt weiter vorangekommen“, sagte Dietmar Mietrach, Vorsitzender des Fördervereins Informationszentrum Freilichtbühne Bookholzberg, mit Blick auf die Fachvorträge und Debatten des Tages. Er sprach damit sicherlich auch für seine Mitstreiter, die ein langer Atem eint: in ihrem Bemühen im Spieldorf der einstigen NS-Kultstätte ein Dokumentations- und Informationszentrum einzurichten.

Gut 50 Teilnehmer hatte die ganztägige Veranstaltung – unter ihnen zeitweilig auch die Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen (CDU), Landtagsabgeordneter Axel Brammer, als Vorsitzende der Ganderkeseer Ratsfraktionen Marion Daniel (FDP) und Werner Brakmann (SPD) sowie die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Zießler.

Öffentliche Führung

Der Geschichte der ehemaligen Freilichtbühne Stedings­ehre und des Berufsförderungswerks widmet sich eine zweistündige Führung, zu der Inge Meyer und Lisa Dirks aus dem Team der Ganderkeseer Gästeführer für Sonnabend, 14. November, einladen. Treffpunkt ist um 14 Uhr der BFW-Haupteingang, Apfelallee 1. Die Teilnahme kostet 3 Euro, Kinder gehen kostenfrei mit. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Lange Zeit war die dunkle Geschichte von Stedingsehre tabuisiert. Ein Plädoyer dafür, an den Nationasozialismus zu erinnern, hielt Prof. Dr. Dietmar von Reeken vom Institut für Geschichte der Universität Oldenburg. Er gab dem Anliegen des Arbeitskreises Rückenwind: Die Geschichte eines Ortes wie Stedingsehre dürfe nicht unkommentiert bleiben, so von Reeken.

Rund 80 000 bis 100 000 Euro kostet allein der Unterhalt des Spieldorfs, welches das Berufsförderungswerk voraussichtlich im Sommer 2016 räumen wird. Dem Arbeitskreis schwebt eine Nachnutzung der gut zwei Dutzend Gebäude durch einen Mix aus Kultur, Gastronomie und Existenzgründer-Zentrum vor. Welche der Gebäude später die bereits zusammengetragenen Exponate des Dokumentationszentrums beherbergen, ist noch offen, genau wie die Finanzierung. Fördervereins-Vorsitzender Mietrach sprach von einer „Patchwork-Lösung“ aus einer Vielzahl kleinerer Fördertöpfe.

Impulse für die Nachnutzung lieferten am Sonnabend neben Mietrach und von Reeken auch Vorträge von Dr. Michael Brandt (Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft), Prof. Dr. Gerhard Kaldewei (ehemaliger Leiter des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur in Delmenhorst), Prof. Lutz Walk vom Arbeitskreis, Dr. Rolf Keller (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten), bevor die Tagung mit einem Podiumsgespräch unter der Leitung von regioVHS-Direktor Rolf Schütze schloss.

Die Arbeitskreis-Mitglieder schöpften aus dem Ideenaustausch am Ende eine Menge neuen Optimismus für ihr Vorhaben: „Wenn wir 2020 unser 15-jähriges Bestehen feiern, dann wollen wir das unten im Spieldorf tun“, sagte Dietmar Mietrach.

Karoline Schulz Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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