Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun! – Man mag von sogenannten klugen Sprüchen halten was man will, aber auf Michael Saathoff passt dieser Spruch haargenau. Erst relativ spät fand Michael beruflich und auch privat sein Glück.

Vor fast genau 50 Jahren wurde Michael Voss (so sein Geburtsname) in Bremen geboren. Er hat spanisches Blut in seinen Adern, denn seine Mutter Maria Velia ist Spanierin. Michael war fünf Jahre, als seine Eltern mit ihm und seiner jüngeren Schwester nach Stuhr/Moordeich zogen, weil sein Vater dort einen Betrieb für Fußbodenbau hatte. In seiner Jugendzeit spielte er Gitarre in einer Schülerband und arbeitete gerne mit Holz. Kein kaputter Spatenstiel wurde bei ihm weggeworfen. Für alles findet er wieder eine Verwendung, sei es bei den selbstgebauten Klettergerüsten für seine Kinder oder beim Stallbau für die Tiere.

Einem Tischlermeister waren die Fähigkeiten von Michael bei dessen Schulpraktikum aufgefallen, er bot ihm daher einen Ausbildungsplatz an. Da Michael zu der Zeit aber auch gerne Moped und später Motorrad fuhr und mit seinen Freunden viel daran bastelte, entschloss er sich zu einer Ausbildung zum Kfz-Techniker. Diesen Schritt bereute er nicht nur einmal. „Ich musste Arbeiten erledigen, wie zum Beispiel den Rasen mähen, die eigentlich nicht zu einer Ausbildung gehörten“, erzählt mir Michael.

Nach seinem Abschluss arbeitete er unter anderem noch am Band bei Mercedes, bevor sich die Bundeswehr bei ihm meldete. „Ich wollte eigentlich, wie meine Freunde auch, den Wehrdienst verweigern. Da ich beruflich nichts Besseres zu tun hatte, bin ich dort hingegangen und insgesamt acht Jahre bei der Bundeswehr geblieben.“ Durch die Wiedervereinigung wurde seine Kompanie von Nienburg in den Osten verlegt, dorthin wollte er nicht.

Michael wechselte nun in die Firma seines Vaters, wo es zwischen Vater und Sohn nicht immer spannungsfrei lief, wie mir Michael erzählte. 2001 musste die Firma aufgelöst werden, und dann begann bei ihm eine Phase, in der er nicht so recht wusste, wohin sein Weg gehen sollte.

Inzwischen hatte er auch schon einige gescheiterte Beziehungen hinter sich. Im November 2002 zog er bei einer Wohngemeinschaft ein. Das WG-Haus in Habbrügge hatte bei den Nachbarn nicht den allerbesten Ruf, denn die Bewohner wechselten häufig. Doch dieses Haus sollte ihm Glück bringen, denn bei der Silvesterfeier 2002 lernte er einen gewissen Daniel kennen, der auf Mittelaltermärkten einen Stand hatte und dort Knobibrot verkaufte.

Weil Daniel zu der Zeit keinen Führerschein hatte und dringend einen Fahrer suchte, fuhr Michael mit. Sein erster Einsatz war Ostern 2003 auf dem Mittelaltermarkt in Chorin bei Berlin. Nun war es um ihn geschehen. „Das war genau das, was ich wollte. Ich war einfach von den Menschen und dem Flair fasziniert.“

Über zwei Jahre bildete er mit Daniel ein Team, beide waren auf vielen Mittelaltermärkten vertreten. Wiederum durch Zufall lernte er den Besitzer einiger Fahrgeschäfte kennen. Dieser betrieb auch das Geschicklichkeitsspiel „Sterntaler“. „Hier können die Besucher auf eine hohe Strickleiter klettern. Alle, die oben am Ziel angekommen und die Glocke betätigen, bekommen einen Golddukaten.“

Es gefiel Michael so gut, dass er „Sterntaler“ pachtete und nun im Jahr damit auf etwa 15 Mittelaltermärkten vertreten ist. „Ich animiere die Besucher mitzumachen und bin in meinem Kostüm quasi in einer Rolle. Ich erkenne mich dann selbst nicht mehr, denn ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas überhaupt kann“, erzählt mir Michael.

Wieder durch Zufall lernte er 2006 Dörthe Saathoff kennen, die ihre Schwester Susanne auf einem Mittelaltermarkt begleitete. „Was für eine Frau!“, war sein erster Gedanke, als er sie das erste Mal sah. Mittlerweile wohnt in dem Haus in Habbrügge „nur“ noch die Familien-WG Saathoff, bestehend aus Dörthe, Michael, den Kindern Janno (fünf Jahre) und Nine (drei Jahre) sowie einem kleinen Privatzoo. „Wenn ich als Grundschullehrerin beruflich engagiert bin, dann rockt Michael als Vater und Hausmann den Alltag, wenn er gerade nicht seinem „Zigeunerleben“ nachkommt. Er kann ganz wunderbar kochen“, schwärmt Ehefrau Dörthe.

Nicht nur beruflich und privat, sondern auch in der dörflichen Gemeinschaft ist Michael Saathoff angekommen. Seit einigen Jahren gehört er zu den Verantwortlichen im Ortsverein.

Es ist eben nie zu spät!

Michael Saathoff,der mit dem Geschicklichkeitsspiel „Sterntaler“ diverse Mittelaltermärkte bereichert

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