Ganderkesee Das auffällige Fachwerkgebäude des Gasthofs Bücking am Ring 12 in Ganderkesee konnte auf eine lange Tradition als Wirtshaus zurückblicken. Im 19. Jahrhundert als Gasthof Siemers bekannt, blieb der gewohnte Name auch dann noch erhalten, als die Siemers-Tochter Anna Catharina dem Gastwirt Heinrich Wilhelm Bücking das Ja-Wort gab. Fortan prangte auf dem Außenschild der Doppelname Siemers-Bücking. Dank seines Tanzsaals war der Gasthof ein beliebter Ausrichtungsort für Bälle und Familienfeiern. Auch Politik wurde in dem Gasthof gemacht: In Ermangelung eines Rathauses traf sich bis 1933 der Gemeinderat bei Bücking. 1926 übernahm Heinrich Härtel jun., Sohn des Kaufmanns Johann Heinrich Härtel, die Leitung des Betriebs, dessen modifizierter Doppelname jetzt Bücking-Härtel lautete. Härtel jun. war der Schwiegersohn des Gastwirts Bücking, aus seiner Ehe mit dessen Tochter Alma gingen vier Söhne hervor. Der jüngste von ihnen, Claus Härtel, führte die Gastwirtschaft von 1959 bis 1971. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude unbeschadet. Weniger Glück hatte das Nachbarhaus von Bauer August Wiese, das im April 1945 bis auf die Grundmauern niederbrannte. Ein besonders denkwürdiges Ereignis trug sich laut Härtel 1951 im Gasthof Bücking zu. Damals hätten der Schützenverein und der TSV Ganderkesee beschlossen, sich zusammenzutun statt gegen Jahresende konkurrierende Tanzveranstaltungen abzuhalten – die Geburtsstunde des Faschings am Ring. 1971 quittierte Claus Härtel seine Tätigkeit als Gastwirt und ging in den Polizeidienst.

Sein Elternhaus beherbergte nun eine Tanzschule und ein jugoslawisches Restaurant. Durch Brandstiftung ging das über 300 Jahre alte Gebäude 1987 in Flammen auf. Die genauen Hintergründe konnten niemals ermittelt werden. Härtel vermutet Schutzgelderpressung, der jugoslawische Restaurantbetreiber habe Drohbriefe erhalten. Die Brandruine wurde 1988 abgerissen und das Grundstück an die benachbarte Bundespost verkauft. Heute befindet sich am Standort des früheren Gasthofs ein Wohn- und Geschäftshaus. Der Beitrag stammt aus dem Buch „Einst und Jetzt – Ganderkesee“, Verlag Culturcon medien

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