Ganderkesee Um 17 Uhr herrschte noch so etwas wie „Rush Hour“ auf Ganderkesees Straßen: Alle wollten schnell nach Hause. Eineinhalb Stunden später war dann minutenlang kein Auto mehr zu sehen – Geisteratmosphäre im ganzen Ort. Die Fußball-WM sorgt für verlassene Landschaften, wenn Deutschland spielt – so wie am Donnersagabend.

Freibad statt Fußball

Deutlich weniger Besucher als sonst wurden im Freibad am Heideweg gezählt. Gerade mal acht Gäste drehten gegen 18 Uhr ihre Runden, darunter Jörg Andrée und Karl-Rudolf Zutz aus Hude. „Wir kommen jeden Donnerstag her – auch wenn ein Fußballspiel ist“, meinten sie. Und auch Carsten Taut zog im 24,5 Grad warmen Wasser seine Bahnen. „Für jedes Tor einen Kilometer“, lachte er. Ein Freibad sei eben wetterabhängig, erklärte Philipp Quell von der Aquapark-Geschäftsführung. Er hat festgestellt, dass sich einige Gäste bewusst der Fußball-WM entziehen und im Saunahuus entspannen. Besonders die Damen-Sauna am Montag werde gut angenommen.

Spiel läuft beim Spenden

Der von Organisatorin Astrid Zinner befürchtete „Totentanz“ ab 18 Uhr blieb bei der Blutspende des DRK-Ortsvereins in Bookholzberg aus. Die Rotkreuzler hatten extra eine Großbildleinwand mit Beamer organisiert, damit die Spender nichts vom WM-Spiel verpassten. Reinhard Kruse hätte auch das nicht gestört. „Ich bin kein Fußballfan“, sagte der 68-Jährige. Auch Rolf Müller ließ sich durch das Spiel nicht vom Spenden abhalten. „Deshalb würde ich nicht zu Hause bleiben“, sagte der 57-Jährige. Dass er während der Spende nun Fußball sehen konnte, freute ihn aber doch.

Kaum Betrieb herrschte indes im Ganderkeseer Inkoop-Markt. Normalerweise stehen an einem Donnerstagabend die Kunden Schlange vor den Kassen – diesmal hatte Kassiererin Annemarie Lewandowski so gut wie nichts zu tun. „Aber nach dem Spiel kommen sie“, wusste sie aus Erfahrung.

Und wo waren sie während des Spiels? Zum Beispiel beim Public Viewing vor der Bodega Sunshine Bar am Ganderkeseer Bahnhof. Vor der großen Leinwand bejubelten mehr als hundert Fußball-Fans den 1:0-Sieg über die USA – und sorgten hinterher dafür, dass sich der Ort langsam wieder belebte.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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