Falkenburg /Habbrügge Mit Besen und Rechen säuberten fleißige Helferinnen die Straßenränder. Und vor dem Feuerwehrhaus parkten sämtliche Fahrzeuge der Ortswehr, um von den Mitgliedern gründlich geputzt zu werden. Auch sonst waren ungewöhnlich viele Leute unterwegs für einen ganz normalen Mittwochvormittag. Denn per Bus kamen wichtige Leute: Eine Delegation für den Vorentscheid zum Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ besuchte Falkenburg und Habbrügge.

Unter der Leitung von Norbert Wencker, Dezernatsleiter des Amts für regionale Landesentwicklung Weser-Ems, machten sich die Gäste ein Bild vom Dorfleben. Dazu gehörte auch ein Gespräch mit den Freiwilligen, die sich „Beetschwestern und -brüder“ nennen. Einmal im Monat treffen sie sich, um Unkraut zu bekämpfen und öffentliches Grün in Ordnung zu halten. Jürgen Hakkel und Heiner Lüschen vom Ortsverein Falkenburg-Habbrügge hatten für die Gäste ein informatives Besichtigungsprogramm vorbereitet. Per Bus ging es vom Dorfplatz aus zunächst durch Falkenburg. 913 Einwohner, acht landwirtschaftliche Betriebe, 15 Gewerbebetriebe, zehn Vereine, zwei Standesämter, ein Laden und eine Bank mit Geldautomat und Kontoauszug-Drucker: Im Vorbeifahren erfuhr die Delegation, dass das viel Infrastruktur ist für ein Dorf mit nicht einmal 1000 Einwohnern.

Beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ steht nicht mehr nur das Erscheinungsbild der Orte im Vordergrund. „Es geht um die Existenzfähigkeit eines Dorfes“, sagte Norbert Wencker. Und die beurteilten Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen, darunter Dr. Michael Schimek von der bauhistorischen Abteilung des Museumsdorfs Cloppenburg sowie Mitglieder von Städte- und Gemeindebund, Landfrauen und Landvolk. Rund eineinhalb Stunden hatten die Gäste Zeit, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Sie besuchten das reetgedeckte Bauernhaus der Familie Oltmanns, das liebevoll umgebaut worden ist. „Uns war wichtig, den Charakter des Hauses zu erhalten, ohne dass es ein Museum wird“, sagte Ohle Oltmanns. In den ehemaligen Ställen des mit alten und modernen Möbeln eingerichteten Wohnhauses erfuhren die Besucher etwa, dass das Holz für die Dachbalken aus dem Hasbruch gekommen ist.

An den Angel-Teichen und dem Betrieb von Forellen-Abel vorbei ging es dann zum Schützenhaus und zum Vereinsheim des TV Falkenburg. Dort verließen die Delegationsmitglieder den Bus aber jeweils nur kurz, denn sie hatten ein strammes Pensum zu absolvieren: Am Morgen waren sie bereits in Lintel (Gemeinde Hude), nachmittags ging es weiter nach Dingstede (Gemeinde Hatten) und Littel (Gemeinde Wardenburg). An diesem Donnerstag steht eine weitere Bereisung an. Um den Überblick zu behalten, machten sich die Delegationsmitglieder Notizen. „Es geht schnell weiter. Ich muss mich nachher erst einmal sammeln“, sagte Mechthild de Boer, die zum ersten Mal dabei war. Doch der Mitarbeiterin der Landwirtschaftskammer in Aurich gefiel es gut, das Dorfleben in vielen Orten kennenzulernen. „Es ist spannend, wie unterschiedlich es in den Dörfern ist.“

Jürgen Hakkel und Heiner Lüschen präsentierten zum Abschluss der Bereisung noch einen besonderen Programmpunkt. Auf dem Schulhof der Grundschule Habbrügge sangen die Kinder zwei Lieder für die Gäste. Dort wurde deutlich, dass die Zeit in der einzügigen Zwergschule mit 56 Kindern nicht stehengeblieben ist – und das nicht nur, weil das alte Gebäude über W-LAN und Computerarbeitsplätze verfügt. „Hier ist nicht Bullerbü“, sagte Schulleiterin Birgit Humberg. Es gebe Inklusion in hohem Maße und auch Kinder mit Migrationshintergrund. „Es klappt bei uns gut.“

Dass auch die 34 Flüchtlinge gut ins Dorfleben integriert sind, berichtete Jürgen Hakkel ebenfalls. „Unser Dorf hat Zukunft, weil wir hier alle miteinander leben“, sagte er. Klar, dass sich Falkenburg und Habbrügge von der allerbesten Seite zeigten. Von der Hanfplantage, die im vergangenen Jahr ausgehoben wurde, erfuhr Delegationsleiter Norbert Wencker trotzdem: „Mein Sitznachbar hat es mir erzählt“, meinte er.


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Antje Rickmeier Redakteurin / Redaktion Ganderkesee
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