Wildeshausen 889-mal mussten im vergangenen Jahr Polizisten im Landkreis Oldenburg Verkehrsunfälle protokollieren, an denen Wildtiere beteiligt waren. Doch es sind nicht alle Gemeinden und alle Wildtierarten gleichermaßen betroffen.

Vor allem rehe

„Vorrangig wurden Rehe Opfer der Kollisionen, da diese Tiere flächendeckend im Kreisgebiet vorkommen“, so Erich Kreye von der Kreisverkehrswacht. Auch Wildschweine und Damwild seien beteiligt gewesen. Unfälle mit kleineren Wildtieren wie Fuchs, Hase oder Marder spielten hingegen statistisch kaum eine Rolle, obwohl häufig Kadaver der Kleintiere an den Straßen zu sehen seien. „Sie richten bei einem Zusammenstoß selten hohe Schäden an, die anschließend als Versicherungsfälle zu behandeln sind“, erläutert Kreye weiter.

Wildunfälle 2017 in den Gemeinden

Dötlingen: 87 (2016: 108/2015:71) Ganderkesee: 116 (2016: 103/2015: 91) Großenkneten: 140 (2016: 154/2015: 112) Hatten: 73 (2016: 73/2015: 62) Hude: 91 (2016: 72/2015: 88) Harpstedt: 221 (2016: 227/2015: 169) Wardenburg: 63 (2016: 67/2015: 60) Wildeshausen: 98 (2016: 102/2015: 91) Gesamter Landkreis: 889 (2016: 906/2015: 744)

Wald und Wild

Nach wie vor gilt die Aussage: Da wo Wald ist, ist auch mit Wildtieren zu rechnen. Im Vergleich zu nördlich angrenzenden Landkreisen beträgt der Waldanteil in der hiesigen Region etwa 20 Prozent der Gesamtfläche, während er in den angrenzenden Bereichen bei zehn Prozent oder darunter liegt. Demgemäß werden hier weniger Zusammenstöße mit Wild erfasst.

Deutlich wird dies auch an den Zahlen im Landkreis. In Harpstedt oder Dötlingen, Bereiche mit einem hohen Waldanteil, sind an fast der Hälfte aller Verkehrsunfälle Wildtiere beteiligt und auch in der Gemeinde Großenkneten oder der Landgemeinde Wildeshausen ist das Risiko, mit einem Wildtier zu kollidieren, höher als in Wardenburg, Hatten oder Ganderkesee.

Zahlen konstant hoch

889 Unfälle mit Wild sind knapp 30 Prozent der insgesamt 3602 polizeilich registrierten Unfälle im vergangenen Jahr. Dieser Prozentsatz ist in den letzten Jahren trotz vieler präventiver Maßnahmen konstant. Durch das Kreisgebiet verlaufen drei Autobahnen mit einer entsprechenden Anzahl von Auf- bzw. Abfahrten und auch hier verirren sich Wildtiere, so dass 2017 auf diesen Fernstraßen 38 Kollisionen in die Wildunfallstatistik aufzunehmen waren. Vergleiche auf Kreis- oder Gemeindeebene führen letztlich zu keinem Lösungsansatz, da jeder Bereich anders strukturiert ist und unterschiedliche Verkehrsverhältnisse aufweist. Dies gilt auch für die knapp 230 Reviere, die im Kreisgebiet vorhanden sind. Während das Reh überall seinen Lebensraum findet, fühlen sich Schwarz-und Damwild nur in bestimmten Revieren wohl. Hier spielen auch die geschlossenen Waldflächen der Niedersächsischen Landesforste eine Rolle, da dieser Lebensraum den letztgenannten Arten sehr entgegenkommt.

Gegenmaßnahmen

Seit Jahrzehnten stehen Polizei, Verkehrswacht, Straßenverkehrsbehörden, Jagdbehörde und die Jägerschaft vor der Frage, wie man den steigenden Zahlen entgegenwirken kann. Fakt ist, dass sich trotz schwindenden Lebensraumes die Bestände beim Schalenwild, wie eben Reh, Wildschwein und Damhirsch, nach oben entwickeln.

Als vor einigen Jahren ein Abwärtstrend bei den Wildunfällen zu erkennen war, war dafür laut Kreye die Aktion „Dreibeine gegen Wildunfälle“ verantwortlich, denn die aufgestellten roten Böcke waren im Straßenraum bis dahin unbekannt und richteten sich direkt an die Fahrzeugführer. Nach einer gewissen Zeit sei dieser Effekt jedoch verschwunden.

Hoch waren danach die Erwartungen an die blauen Reflektoren. Mittlerweile sind diese an fast allen Straßen im Kreisgebiet angebracht und trotzdem bleibt die Zahl der Wildunfälle hoch. Nach zahlreichen unterschiedlichen Versuchen sind sich die Fachleute inzwischen einig, dass sie als Maßnahme zur Verhinderung von Wildunfällen nicht geeignet sind.

„Wenn alles andere nicht hilft, so muss dort, wo die Zahl der Unfälle mit Wildtieren sehr hoch oder plötzlich eine deutliche Zunahme zu verzeichnen ist, notfalls über eine Erhöhung des Abschusses diskutiert werden“, schlussfolgert Kreye. Dies erfordere zuvor jedoch Gespräche mit allen Betroffenen und dazu solle möglichst bald ein „runder Tisch“ beitragen.

Gefährliche Dunkelheit

Gegenüber den Vorjahren hat sich nichts daran geändert, dass sich die meisten Unfälle mit Wild während der Dämmerung bzw. Dunkelheit ereignen. Besonders groß ist die Gefahr von November bis Januar, mit einem Reh oder Damhirsch zu kollidieren.

Hintergrund ist, dass die Tiere ein anderes Sehvermögen als Menschen haben. Bemerken Rehe oder Hirsche, am Fahrbahnrand stehend, eine Gefahr, so blicken sie in diese Richtung. Während der Dämmerung oder Dunkelheit werden sie dabei von den Autofahrern derart geblendet, dass der Sehsinn für einen bestimmten Zeitraum ausgeschaltet wird. „Es ist dann völlig egal, welche Farbe installierte Reflektoren haben. Diese werden nicht mehr wahrgenommen und das Tier verlässt sich auf seinen Geruchssinn und setzt seinen Weg über die Straße fort“, so Kreye abschließend.

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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