Aumühle Sechs mal zwei Meter groß ist das dreidimensionale Bild des Großsteingrabes Visbeker Braut, das der Wildeshauser Maler Franz Römer einst an die Wand der Gaststube gemalt hat. Das Großsteingrab ist nur 800 Meter entfernt. Da liegt es auf der Hand, dass das Gasthaus an der Bundesstraße 213 in Aumühle „Visbeker Braut“ heißt. Seit 60 Jahren ist Werner Bahrs dort der Wirt. Doch nun will der 78-Jährige in Rente gehen, zusammen mit seiner Frau Miroslawa (72), die seit 42 Jahren mit ihm das Lokal bewirtschaftet. Sie ist gelernte Kauffrau und hat auch in der Küche das Sagen.

„Das Rasthaus lebt insbesondere von der Autobahn und der Bundesstraße. Unser Publikum ist international“, erklärt Werner Bahrs. Aber auch Fahrradtouristen und andere Ausflügler kehren seit Jahrzehnten bei der „Visbeker Braut“ ein. „Das soll auch in Zukunft so sein, auch wenn das Gasthaus zum Verkauf steht“, sagt Miroslawa Bahrs, die von der Stammkundschaft liebevoll und mit Respekt „Mutti“ genannt wird.

Zu den Stammkunden gehören viele Lkw-Fahrer aus den Benelux-Ländern und Skandinavien, die auf der alten Handelsstraße zwischen Flandern und Hamburg unterwegs sind. „Mutti“ kennt sie alle mit Vornamen und weiß, was sie am liebsten essen. An diesen lauen Sommerabenden sitzen die Fahrer auf der Terrasse vor dem Haus und entspannen sich. Nacht für Nacht stehen bis zu 35 Lkw auf dem Parkplatz. Das Gasthaus ist von 10 Uhr bis Mitternacht geöffnet.

Die Anfänge der Gastronomie liegen in den 20er Jahren. Werner Bahrs’ Eltern hatten das Haus gebaut. „Nachdem Ausflügler das Großsteingrab besucht hatten, fragten sie bei uns, ob sie ein Glas Wasser haben könnten.“ So begann seine Mutter, nebenher Sirup auszuschenken, während der Vater als Straßenwärter arbeitete. Werner Bahrs lernte zunächst den Beruf des Elektrikers. Aber schon mit 18 Jahren stieg er in die Gastronomie ein. „All die Jahrzehnte ist es eine schöne Zeit gewesen, trotz der vielen Arbeit“, schaut Bahrs zurück. Die heutige Bundesstraße kennt er noch als Schotterpiste. Ende der 60er Jahre kam die Autobahn A 1 hinzu. „Die Anschlussstelle Wildeshausen-West ist fest mit dem Gasthaus „Visbeker Braut“ verbunden.“

Hinter seinem Lokal liegt nicht nur ein Campingplatz, den die Bahrs bis 1975 selbst betrieben, sondern angrenzend zur A 1 auch eine 65 Hektar große Fläche, die die Stadt Wildeshausen gerne als Industriegebiet vermarkten möchte. Einen Aufstellungsbeschluss hat der Stadtrat kürzlich gefasst. Jetzt wird ein Investor gesucht, der die Fläche kauft und vermarktet. „Das kommt zehn Jahre zu spät“, meint Werner Bahrs. Die Investoren seien schon längst weitergezogen, sagt er und verweist auf die Gewerbe- und Industriegebiete entlang der A 1 südlich des Ahlhorner Dreiecks. Die „Visbeker Braut“ wäre quasi der Eingang in das Industriegebiet und auch nach Ansicht von Bahrs für einen modernen Autohof geeignet. Aufgrund der längeren Ruhezeiten für Lkw-Fahrer gebe es viel zu wenig Parkplätze.

Druck, die „Braut“ abzugeben, haben Werner und Miroslawa Bahrs aber nicht. „Höchstens das Alter“, meint der 78-Jährige. „Es wäre schön, wenn meine Frau und ich das Rentendasein noch etwas genießen könnten.“

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Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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