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Nach Lkw-Unfall
A1 bei Ahlhorn Richtung Bremen gesperrt

Zur Person

Andreas Wicht, seit 2011 Ortsbrandmeister in Altmoorhausen, erhielt Anfang 2017 das Feuerwehrehrenzeichen des Landes Niedersachsen. Der 41-Jährige engagiert sich bereits seit 1991 bei der Feuerwehr.

Frage: Herr Wicht, wie ist Ihre Erfahrung mit Gaffern während der Einsätze?
Wicht: Ziemlich schlimm. Gerade erst am Montagabend waren wir bei einem schweren Autounfall im Einsatz. Das Auto lag im Graben. Zweimal wäre es fast wieder zu Zusammenstößen gekommen. Fahrer aus dem Gegenverkehr meinten, mit ihren Autos bis auf Schritttempo runterbremsen zu müssen, um dann noch Fotos von der Unfallstelle zu schießen.
Frage: Warum machen Menschen Ihrer Meinung nach so etwas?
WICHT: Viele wollen mit ihrem Foto oder Video einen Hit im Internet oder bei WhatsApp landen und möglichst viele Likes in den sozialen Netzwerken sammeln. So ein Video ist ja mit dem Handy schnell gemacht. Es ist der Kick, ein spektakuläres Foto haben zu wollen, das andere nicht haben. Ich bin knapp 26 Jahre Mitglied bei der Feuerwehr. Das Problem mit den Gaffern ist meiner Meinung nach schon in der letzten Zeit extrem geworden.
Frage: Wie beeinflussen Gaffer die Arbeit der Einsatzkräfte?
Wicht: Ich verstehe nicht, warum Menschen nicht erkennen, dass sie mit dem Filmen von Unfällen andere beteiligte Personen in Gefahr bringen. Die filmenden Gaffer sind auch eine große Gefahr für die Rettungskräfte. Denn jeder Feuerwehrmann weiß, dass ein Einsatz auf der Autobahn mitunter auch lebensgefährlich sein kann. Und das obwohl wir natürlich mit modernster Technik zur Absicherung der Unfallstellen ausgestattet sind. Oft kann man auf den Fotos oder Videos der Gaffer, die ich leider auch schon in sozialen Netzwerken sehen musste, nichts erkennen. Bei unserem Einsatz am Montag war es beispielsweise stockdunkel. Trotzdem wurde das Handy draufgehalten.
Frage: Welcher Einsatz hat bei ihrem Team das meiste Kopfschütteln ausgelöst?
WICHT: Das sind so viele Einsätze. Gaffer sind zu einem generellen Problem geworden: Mal wird keine Rettungsgasse gebildet, mal werden Fotos geschossen und manchmal beides gleichzeitig. Die Anfahrt zu den Einsatzstellen auf der Autobahn gestaltet sich oft schwierig. Wir mussten auch schon einmal auf einer Anfahrt zur Einsatzstelle aussteigen, um an die Autoscheiben zu klopfen. Wir mussten die Fahrer bitten, doch einfach weiterzufahren beziehungsweise endlich eine Rettungsgasse für uns zu bilden.
Frage: Wie schützt sich die Feuerwehr bei Einsätzen gegen Gaffer?
WICHT:: Wir versuchen, wenn möglich, eine „Wagenburg“ aufzubauen. Das bedeutet, wir stellen die Fahrzeuge so auf, dass die Unfallstelle von den Feuerwehrfahrzeugen abgeschirmt wird. Das ist dann zwar immer noch nicht optimal – aber das beschädigte Auto soll eben nicht mehr zu sehen sein. Mehr können wir auch nicht machen. Wenn Menschen aus ihren Fahrzeugwracks geborgen werden, kommen zusätzlich Decken zum Einsatz.
Frage: Wie reagieren die Menschen, wenn die Feuerwehr versucht, sie vom Filmen und Fotografieren abzuhalten?
WICHT: : Manchmal wollen sie uns gar nicht gehört haben, weil sie beispielsweise Kopfhörer tragen. Dies ist schwer vorstellbar, wenn unzählige Rettungsfahrzeuge auf der Autobahn im Einsatz sind. Oder es soll der Beifahrer gewesen sein, der das Foto oder Video gemacht hat. Andere geben den Fahrern vor ihnen die Schuld. Diese würden nämlich auch nicht weiterfahren.
Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
WICHT: Ich hoffe, dass die Menschen mehr Einsicht haben. Man kann nur an die Vernunft appellieren, denn Berichte über Gaffer waren jetzt schon häufig in den Medien. Die Feuerwehr und die Presse haben eigentlich schon genug getan. Aber das sich etwas ändert, kann ich mir nicht vorstellen.
Tatiana Gropius Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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