Rethorn Vorsichtig watet Markus Haferkorn durch den Teich. Tiefer als bis zur Hüfte sackt er dabei nicht ein. Mit einem Spaten holt er den Dreck an die Oberfläche. „Früher konnte man hier noch baden“, sagt Tom Fuhrmann, der am benachbarten Privatsee am Bachstelzenweg wohnt, „heute geht da keiner mehr rein.“

Dr. Anika Hoffmann, Jens Volbert und Dr. Volker Schulz-Berendt von der Ganderkeseer Grünen-Fraktion ließen sich am Montagabend das Problem vor Ort zeigen, ein Problem, das noch größere Ausmaße annimmt, als bisher gedacht.

Zweimal schon hat die NWZ über die Verunreinigung des privaten Teiches am Schwanenweg berichtet. Am Montag machten die Anwohner deutlich, dass auch der Kamerner See und ein zweiter Teich am Bachstelzenweg betroffen sind.

„Eigentlich sagen die Bilder ja alles“, sagt Haferkorn. Fein säuberlich hat er die Fotos des verdreckten Teiches an seinem Carport befestigt, um den Grünen einen Überblick zu verschaffen. Die Anwohner sind sich sicher, dass der Verursacher ein Landwirt in der Nähe ist, dessen Dreck, unter anderem Gülle, in die Kamerner Bäke und von da aus in den Privatteich am Schwanenweg fließt. Hinzu komme Oberflächenwasser der benachbarten Wohnsiedlungen. Der Sandfang vor dem Privatteich könne den Dreck nicht filtern. Ein Gutachten des Labors für Chemische und Mikrobiologische Analytik bestätigt die Kontamination mit Fäkalkeimen.

Verschlammt

Die Anwohner pumpen mittlerweile selber Wasser aus dem Kamerner See in ihren Privatteich. „Sonst wäre das hier eine Kloake“, sagt Haferkorn. So machen es die Anwohner des Privatteiches am Bachstelzenweg schon seit 50 Jahren, sagt Fuhrmann, da es hier weder einen Zu- noch einen Ablauf gibt. Das Wasser versickert einfach. Doch nach und nach verschlamme auch ihr Teich immer mehr.

Das große Problem: Das dreckige Wasser fließt aus der Kamerner Bäke in den Privatteich am Schwanenweg und von dort in den Kamerner See. Von hier pumpen es die Anwohner am Bachstelzenweg und umzu in ihren Teich. Am Ende sind somit drei Gewässer betroffen.

Verzweifelt

Seegras breite sich durch das nitrathaltige Wasser in ihrem Teich am Bachstelzenweg aus, sagt Tom Fuhrmann. Zwischenzeitlich „war das nur noch zugewachsener Morast“. Der Wert der Immobilien hänge vom Teich ab. Zweimal im Jahr organisieren die Anwohner mittlerweile große Säuberungsaktionen. 2013 war ein Schaufelbagger im Einsatz. Die Anwohner haben sogar ein Mähboot gekauft. „Das ist ein Lebenskampf“, sagt Fuhrmann.

Frank Schneider, der am Kamerner See wohnt, sieht die Gemeinde in der Pflicht: „Man konnte keine Fenster aufmachen, so massiv hat das gestunken. Das ist ein öffentlicher See. Am liebsten hätte ich der Bürgermeisterin zwei Eimer vor die Tür gekippt“, ärgert er sich. „Fischsterben hatten wir schon. Was muss denn noch passieren? Müssen hier erst tote Vögel liegen?“

Die Anwohner hatten die Grünen um Hilfe gebeten. „Wir sind nicht weitergekommen“, beschreibt Haferkorn die Lage. „Keiner fühlt sich zuständig.“ Mit mehreren Nachbarn hat er vor einigen Wochen einen Anwalt eingeschaltet, der im Namen seiner Mandanten Strafanzeige wegen Umweltgefährdung gegen Unbekannt gestellt hat. Das sei eine „Verzweiflungstat“ gewesen, sagen die Anwohner. Sie hätten sich nicht anders zu helfen gewusst.

Der Anwalt habe sich zuletzt am 19. April an die Gemeinde, die Untere Wasserbehörde des Landkreises und den Ochtumverband gewandt, und um Hilfe gebeten. Geantwortet hat nur die Gemeinde: Am 5. Juni teilte sie mit, dass die Untere Wasserbehörde zuständig sei.

Es sei ein Unding, dass die Gemeinde die Anwohner mit dem Problem alleine lasse, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Volker Schulz-Berendt. Er will einen entsprechenden Antrag stellen, so dass sich der Umweltausschuss damit befassen muss. „Wir hoffen, dass die Zuständigkeit geklärt wird. Wenn es gar nicht anders geht, werden wir klagen“, kündigt Markus Haferkorn an.

Lesen Sie hier die vorherigen Berichte:

1. Bericht

2. Bericht

Der Blaulichtblog für den Nordwesten

Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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