Oldenburg /Gemeinde Hatten Nicht so richtig vorangegangen ist es am Mittwochmorgen im Landgericht in Oldenburg, als im Zivilprozess zwischen Katja Radvan und Oliver Toth (beide SPD Hatten) weitere Zeugen befragt wurden. Der Vorsitzende Richter gab nach etwa anderthalb Stunden Verhandlung zu: „Ich habe mir mehr erhofft.“ Konkret bezog er sich dabei auf die Aussagen eines Zeugen einer Internet-Firma.

Der Mann arbeitet für „Service mit Herz“ (SmH), die die Internetseite www.poppen.de betreibt. Auf diesem Sexportal soll – so der Vorwurf – Oliver Toth seine Parteikollegin Katja Radvan mit einem Fake-Profil angemeldet haben. Der Zeuge ist in der Rechtsabteilung von SmH in Berlin tätig und kümmert sich um Anliegen von Privatleuten und Firmen, „etwa bei Problemen beim Einloggen“.

Er war also im August 2016 auch derjenige gewesen, der die Anfragen der Polizei Wildeshausen zu dem Profil „kara26209“ beantwortet hatte. Eine bei der Verhandlung vorliegende Statistik zeigte die Aktivitäten auf diesem Profil – Bewertungen, Nachrichten, Login-Zeiten. „Für wie valide halten Sie die Daten? Sind sie manipulierbar?“, waren Schlüsselfragen des Vorsitzenden Richters. Der Zeuge bekräftigte mehrfach: „Ich bin kein Techniker; aber ich denke, dass die Daten sehr zuverlässig sind.“

Ins Detail gingen dann die Fragen des Richters bezüglich der Cookies, anhand derer der Mann damals festgestellt hatte, dass offenbar zwei weitere Profile mit dem von „kara26209“ verknüpft waren – mit mindestens einem davon war Oliver Toth auf poppen.de aktiv, nach eigenen Angaben beruflich. Ob es nachweisbar ist, dass alle drei Profile von nur einem Endgerät betrieben worden waren, wollte der Richter wissen. Das konnte der Zeuge nicht beantworten. Der Richter bat, in der Berliner Firma mit einem Techniker zu sprechen und offene Fragen zu klären, zum Beispiel auch, ob es heute noch möglich wäre, die Daten der Cookies aus dem Jahr 2016 einzusehen.

Ebenso befragt wurde ein Beamter des Polizeikommissariats Wildeshausen. Doch auch durch seine Aussagen konnten keine weiterführenden Erkenntnisse erlangt werden. Der Polizist war nicht bis zuletzt mit dem Fall betraut. „Ich hatte das an die Kollegen in Delmenhorst abgegeben.“

Der Richter schlug vor, die technische Auskunft von SmH und die Stellungnahmen der beiden Parteien abzuwarten, bevor dann am 28. September ein Verkündungstermin angesetzt ist. Außerdem sagte er: „Sollte ein Gutachten erstellt werden müssen, wird das ein richtig teurer Spaß – so im mittleren vierstelligen Bereich.“ Oliver Toths Anwalt, Kim Müller, entgegnete zum Ende der Verhandlung: „Der Ball liegt weiterhin auf Klägerseite. Die Indizidien sind schwach. Erst wenn sich da irgendwas erhärten sollte, fange ich an zu arbeiten.“

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Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
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