Wendt ist für die Öffentlichkeitsarbeit bei den Guttemplern zuständig. Die Gemeinschaft berät in der Suchtselbsthilfe.

Von Sandra Spieker

Frage: Herr Wendt, das Thema Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen ist – nicht zuletzt durch den Fall eines Berliner Wirtes, der einen 16-Jährigen trinken ließ, bis er starb – in aller Munde. Wie sehen Sie die Entwicklungen in der letzten Zeit, gerade auch im Hinblick auf Fasching?

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Wendt: Der Konsum hat in der letzten Zeit auf jeden Fall zugenommen. Ich bin viel unterwegs und sehe häufig schon vormittags Jugendliche mit Bierflaschen durch die Gegend ziehen. Ganz schlimm ist ja das Koma-Saufen. Das kommt oft auch dadurch zustande, dass vermeintlich „Schwächere“ von den anderen angetrieben werden, mehr zu trinken, wie bei einer Art Mutprobe. Oftmals haben diese Jugendlichen, denke ich, auch ein schlechtes Zuhause. Die Eltern sind den ganzen Tag unterwegs und kümmern sich einfach nicht.

Frage: In der Faschingszeit wird ja generell mehr Alkohol verzehrt. . .

Wendt: Ja, das ist nicht weiter schlimm, solange sich die Betrunkenen nicht gegenseitig hochschaukeln. Erst in der Gruppe kann es zu Aggressionen kommen. Schlimm ist, dass die Jugendlichen im Rucksack viel Alkohol mit zum Fasching bringen. Und einige Eltern begrüßen dies ja noch, weil sie meinen, das sei günstiger, als wenn ihre Kinder den Alkohol vor Ort kaufen würden. Auch beim Fasching hat meiner Meinung nach in den letzten Jahren der Alkoholkonsum zugenommen. Das sieht man ja auch an den vielen leeren Flaschen, die hinterher auf der Straße liegen.

Frage: Was muss dagegen getan werden?

Wendt: Die Kontrollen müssten verschärft werden, zum Beispiel sollten beim Fasching vor Betreten des Zeltes die Rucksäcke aller Gäste durchsucht werden – und das nicht bloß stichprobenartig. Aber die Aufklärung fängt ja schon im Elternhaus an. Wenn es dort Probleme gibt, brauchen sich die Eltern nicht scheuen und können sich gern an die Guttempler wenden. Dafür sind wir da. Auch im Hinblick auf die Schulen wünsche ich mir, dass dort mehr über Alkohol als Suchtmittel aufgeklärt wird.

Frage: Glauben Sie, dass in Geschäften beim Alkoholverkauf genügend kontrolliert wird?

Wendt: Man darf nicht alle über einen Kamm scheren. Aber oftmals glaube ich, dass, wenn niemand genau hinsieht, nicht nach dem Ausweis gefragt und der Alkohol einfach so verkauft wird. Das darf natürlich nicht sein.

keine „Spaßverderber der Narren“: Landkreis und Polizei überprüfen

Vertreter der Ordnungsbehörde des Landkreises und der Polizei sind in diesem Jahr zum sechsten Mal beim Faschingsumzug dabei, um Jugendschutzkontrollen im Bezug auf den Umgang mit Alkohol durchzuführen.

Dabei wollen die Verantwortlichen „auf keinen Fall als Spaßverderber der Narren auftreten“, heißt es in einer Polizeimitteilung. Aber gerade betrunkene Kinder und Jugendliche könnten leichter als Erwachsene in diesem Zustand Opfer einer Straftat werden und begeben sich aus Leichtsinn oft in Gefahrensituationen.

Kinder und Jugendliche, die mit alkoholischen Getränken beim Fasching angetroffen werden, müssen damit rechnen, dass diese einbehalten werden.

Dabei erinnert die Polizei auch an das Verbot, Kindern und Jugendlichen Alkohol auszuschenken. Nach dem Jugendschutzgesetz dürfen Wein, Bier und Sekt erst an 16-Jährige abgegeben werden. Alle weiteren branntweinhaltigen Getränke (auch „Alcopops“) sind erst ab 18 Jahren erlaubt.

Wer als Gewerbetreibender dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Vertreter von Landkreis und Polizei werden „amtlich begleitete Alkoholtestkäufe durch Minderjährige“ durchführen.

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