Ganderkesee An den Geruch haben sie sich mit der Zeit gewöhnt: Der Qualm hing einfach überall, in jeder Ritze und jeder Faser – „irgendwann merkt man das gar nicht mehr“, meint Andrea Hönerloh. Viel schlimmer, so findet ihr Mann Albrecht, sei das Geräusch gewesen: „Wie Feuer sich anhört, wenn es sich ins Gebälk frisst – das vergisst man nicht.“ Vor allem nicht, wenn es das eigene Gebälk ist.

Es war die Nacht vom 17. auf den 18. Dezember 2018, als Albrecht und Andrea Hönerloh ihr Haus in Falkenburg fast verloren hätten. Ihrer Hündin Feely, die sie mitten in der Nacht aus dem Bett bellte, und 80 Einsatzkräften der Feuerwehr haben sie es zu verdanken, dass wenigstens das Wohngebäude am Alten Postweg halbwegs erhalten blieb. Der Anbau mit Büro und Garage, in der das Feuer offenbar durch einen technischen Defekt am Auto ausbrach, wurde hingegen ein Raub der Flammen.

Ein Jahr und eine Woche später sind die Folgen des Brandes immer noch nicht ganz überwunden: Im Flur stapeln sich Umzugskartons, die ausgepackt werden müssen, im Wohnzimmer stehen Möbel, die ganz woanders hingehören, im Bad fehlen noch die letzten Anschlüsse. Aber das alles kann warten. Erstmal wird Weihnachten gefeiert – wieder im eigenen Heim.

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Heiligabend im Haus

Das haben die Hönerlohs vor zwölf Monaten auch gemacht – aber es war ein sehr ungewöhnlicher Heiligabend: Drei Stunden hielten die Eltern und ihre drei erwachsenen Kinder es im verrußten Wohnzimmer aus, alle Fenster waren weit geöffnet. Sie zündeten sogar Kerzen an auf ihrer Weihnachtstanne, die beim Brand eine Woche zuvor leicht angekokelt wurde. „Wir haben Geschenke ausgepackt, gesungen und die Weihnachtsgeschichte gelesen“, erinnert sich Andrea Hönerloh. „Unsere Kinder wollten das gern so.“

Danach ging das Aufräumen los: Eine Fachfirma nahm alle Möbel und Utensilien mit, reinigte sie und lagerte sie ein. Rund 150 Kartons kamen dabei zusammen. Andrea und Albrecht Hönerloh behielten für sich nur das Nötigste. Zunächst kamen sie bei Freunden auf der anderen Straßenseite unter, so dass sie sich jeden Tag um ihr Haus kümmern konnten und vor allem auch um die drei Katzen, die im heimischen Garten blieben. Dann zogen sie für ein paar Wochen in eine nahe gelegene Monteurswohnung in Falkenburg, ehe der Ganderkeseer Georg Müller ihnen sein Ferienhaus in Steinkimmen zu günstigen Konditionen vermietete.

Vieles neu gemacht

Unterdessen rückten am Alten Postweg die Handwerker an. Der abgebrannte Anbau wurde abgerissen, im Wohnhaus das Obergeschoss total entkernt und neu gebaut – mitsamt neuem Dach. „Kurzzeitig stand sogar ein Komplettabriss zur Debatte“, erzählt Andrea Hönerloh. Sie und ihr Mann wollten das 1908 erbaute Haus, das sie 1999 gekauft hatten, aber gern erhalten. Und so begriffen sie den Brand als Chance, um Dinge zu realisieren, an die sie ohnehin schon länger gedacht hatten. So wurde auch im Untergeschoss, wo das Feuer vergleichsweise wenig Schaden anrichtete, vieles erneuert – wie das Bad zum Beispiel – und gleich altersgerecht ausgebaut. Denn die Hönerlohs wollen hier jetzt noch lange wohnen bleiben. Das lassen sie sich auch einiges kosten. Die Brandkasse deckt nur das ab, was durch das Feuer zerstört wurde und entsprechend wiederhergestellt werden muss.

Schon Ende Juni konnten die beiden im neu gebauten Obergeschoss wieder einziehen. Mittlerweile ist auch unten fast alles fertig, so dass zu Weihnachten die beiden Töchter und der Sohn wieder eigene Zimmer beziehen können. Den beim Brand vernichteten Garagenanbau haben die Hönerlohs durch einen neuen Wohntrakt ersetzt, der mit der Küche verbunden ist und diese um einen modernen, hellen Ess- und Aufenthaltsbereich vergrößert.

Ein hartes Jahr

So konnte das Falkenburger Ehepaar die persönliche Katastrophe durchaus auch zu Verschönerungen und Verbesserungen nutzen. Dennoch blicken die beiden auf ein schweres und entbehrungsreiches Jahr zurück. Andrea Hönerloh, die an Silvester ihren 56. Geburtstag feiert, erlitt in Folge der ganzen Aufregungen auch noch ein posttraumatisches Stresssymptom, das mit dem Verlust aller Haare einherging. Sie wachsen aber wieder.

Und rückblickend bleiben auch viele positive Erfahrungen und Eindrücke: wie die Feuerwehren sich in der Brandnacht ins Zeug legten, um zu retten, was noch zu retten war, wie die Nachbarn Schutt beiseite räumten und ihnen auch danach mit Rat und Tat zur Seite standen, wie die Brandsanierer sich um alles kümmerten.

Auch die Schadensregulierung durch die Versicherungsunternehmen verlief zur Zufriedenheit der Geschädigten. „Aber ich empfehle jetzt jedem“, sagt Albrecht Hönerloh (53) augenzwinkernd, „Hausrat und Gebäude bei ein- und demselben Unternehmen zu versichern.“ Ansonsten könne es schon zum Problem werden, wenn der Teppich am Boden fest verklebt sei: Gehört er dann zum Objekt oder zum Inventar?

„Zwei Dinge“, sagt Albrecht Hönerloh, „sind am Ende wichtig: Wir sind da letztes Jahr rausgekommen. Und jetzt haben wir ein gutes Haus.“ Seine Frau Andrea ergänzt: „Allerdings brauchen wir jetzt ganz dringend mal einen längeren Urlaub!“

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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