Nichtsahnend sortierte Diane Febert (43) vor einigen Wochen ihre Post, als sie einen Briefumschlag von Ministerpräsident Stephan Weil in Händen hielt. „Ist denn schon Wahl?“, war ihr erster Gedanke. Doch es war eine Einladung zum 34. Tag der Ehrenamtlichen in Melle. Der große Tag war am 17. September und der Ministerpräsident konnte sich eine Bemerkung nicht verkneifen: „Man sieht gleich, welches Ehrenamt Frau Febert aus Ganderkesee ausübt!“

Gemeint war ihre Feuerwehruniform – sie wurde für ihr außerordentliches Engagement in der Feuerwehr geehrt. 1990, mit gerade 17 Jahren, kam sie zur Freiwilligen Feuerwehr Ganderkesee – damals war sie dort die einzige Feuerwehrfrau. „Von den Kameraden gab es auch kein einstimmiges ,Hallo’“, erinnert sich Diane. Sie hingegen war gleich Feuer und Flamme: „Das war mein Ding!“ In nichts stand sie ihren männlichen Kollegen nach, auch nicht als Atemschutzträgerin. Ihr Leitsatz ist: „Jeder Einsatz, der nicht stattfinden muss, ist ein guter Einsatz!“

Der frühere Ortsbrandmeister Friedrich Rohlfs erkannte früh die Fähigkeiten der jungen Feuerwehrfrau: „Du wirst eines Tages Ortsbrandmeisterin“, prophezeite er ihr. Zunächst wurde sie 1997 Schriftführerin bei der Kreisjugendfeuerwehr, seit 2002 ist sie 2. stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwartin. Beim Kreisfeuerwehrverband ist sie seit zwei Jahren Schriftführerin und das Ende ihrer Karriere bei der Feuerwehr ist noch nicht erreicht. „Mit Sicherheit werde ich aber keine Ortsbrandmeisterin, denn da sind wir optimal besetzt“, stellt Diane Febert klar.

Ganz wichtig ist ihr, dass der Feuerwehr-Nachwuchs auch „über den Tellerrand“ schaut: bei gemeinsamen Zeltlagern und beim Austausch mit jungen Kollegen im Ausland, zum Beispiel aus Polen. Wenn sie als Mitorganisatorin und Betreuerin dabei ist, denkt sie vielleicht auch an ihre eigene Kindheit zurück, denn sie war ein energiegeladenes Kind. „Ich habe am liebsten mit den Jungs draußen rumgetobt und Fußball gebolzt.“

Diane hatte fünf ältere Halbgeschwister, denn die ersten Ehepartner ihrer Eltern waren jeweils durch Unfälle ums Leben gekommen. Diane war drei, als sie mit ihren Eltern im Auto am Bahnübergang in Hoykenkamp wartete. „Die Schranke ging hoch, mein Vater fuhr an, als meine Mutter schrie: ,Da kommt ein Zug!’“. In allerletzter Sekunde konnte ihr Vater das Steuer herumreißen. „Da stand ich das erste Mal in der Zeitung“, lächelt Diane Febert – wohlwissend, dass sie einen großen Schutzengel hatten.

Später war Diane im Schützenverein Urneburg unter anderem Schülerkönigin. Als Realschülerin wollte sie Greenpeace-Aktivistin werden. Ihr tat es in der Seele weh, wenn sie im Fernsehen die Bilder von Walfängern und das Töten von Babyrobben sah. „Schon damals fand ich den Schutz von Tieren und Umwelt wichtig und gerne hätte ich bei Greenpeace mitgemischt.“

Nach der Realschule besuchte sie die höhere Handelsschule. Gerne wollte sie Tischlerin werden, doch es war kein Ausbildungsplatz zu bekommen. Immer wieder hörte sie den Satz: „Wir stellen keine Frauen ein!“ Dann stieß sie auf eine Anzeige in der Zeitung: Der Landkreis Oldenburg suchte für die Feuerwehrtechnische Zentrale eine(n) Kfz-Mechaniker(in). Diane bekam den Ausbildungsplatz. „Es hat mir viel Spaß gemacht und Angst vor Schmutz hatte ich nicht. Ich sah montags schon so aus, als wenn es Freitag wäre“, erzählt Diane mir.

Ihr war aber vom ersten Ausbildungstag an klar, dass sie nicht übernommen werden konnte. Durch die Feuerwehr hatte sie Kontakt zur Firma Hans Pries in Ganderkesee. Hier konnte sie eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik machen – und wurde anschließend übernommen.

Und auch in der Firma kümmert sie sich, neben ihren alltäglichen Aufgaben im Schichtdienst, um die Auszubildenden: Diane Febert ist Mitglied im Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer.

Durch ihren Lebensgefährten Martin verlagerte sich ihr Wohnort von Ganderkesee nach Wildeshausen. „Da wir nur ein Auto hatten, bin ich so einige Male mit dem Fahrrad von Wildeshausen zur Arbeit nach Ganderkesee gefahren“, blickt Diane zurück. Nach dem Ende der Beziehung im letzten Jahr ist Diane wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Als echte Ganderkeseer Deern mag sie natürlich den Fasching und hat einen Wunsch: einmal wieder beim Umzug mit dem „Prinzenlöschwagen“ der Freiwilligen Feuerwehr Ganderkesee fahren. „Aber da ist die Warteliste lang“, weiß Diane Febert.

Diane Febert,Feuerwehrfrau und Funktionsträgerin

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