Wildeshausen Viele Gäste waren bei dem Festakt anwesend, um das 25-jährige Bestehen des Brücke-Projekts Wildeshausen zu feiern. Nur die Klientel der Brücke selbst, die Jugendlichen, waren im historischen Rathaussaal in Wildeshausen nicht da. Das betonte der Vorsitzenden Joachim Musch in seiner Begrüßung.

Das 1991 gegründete Projekt feierte am Dienstagabend nicht nur ein Jubiläum, sondern auch eine stolze Bilanz: 1361 straffällig gewordene junge Menschen hat das Brücke-Projekt in den vergangenen 25 Jahren betreut. „Wir wollen, dass sie eine unbelastete Zukunft haben“, sagte Musch. Und er hoffe, dass die Teilnehmer der Brücke-Maßnahmen bei einem der nächsten Feierlichkeiten begrüßt werden können. Zur Sprache kam auch der ehemalige Sitz des Brücke-Projekts, die Villa Knagge. Scharfe Worte richtete Joachim Musch gegen die katholische Stiftung Johanneum. Der Eigentümer habe das Gebäude verkommen lassen. „Wir sind froh, das Gebäude verlassen zu können.“

Letzter Schritt zur Vermeidung von Haft

Ein Verein, zwei Projekte. Das Brücke-Projekt Wildeshausen gehört wie das Brücke-Projekt Delmenhorst zum Verein Brücke e.V. Delmenhorst. Beide arbeiten eng zusammen, so werden die Werkstätten in Delmenhorst mitgenutzt.

Die „Brücke“ betreut junge Straftäter im Alter von 14 bis 25 Jahren in ambulanten Maßnahmen.

Finanzielle Zuwendungen kommen vom Land Niedersachsen, dem Landkreis Oldenburg, durch Bußgeldzuweisungen und über Spenden.

Die Betreuung im Projekt ist der letzte Schritt zur Vermeidung von Haft. Deswegen ist die Teilnahme an den Maßnahmen für die Jugendlichen verpflichtend.

Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski und der Erste Kreisrat Christian Wolf dankten dem Brücke-Projekt für den Einsatz. Der Lions-Club Delmenhorst überreichte dem Verein zudem einen Scheck über 500 Euro.

Prominenter Besuch kam an dem Abend mit Prof. Dr. Christian Pfeiffer. Er hielt den Festvortrag. Pfeiffer war niedersächsischer Justizminister und Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Als Gründer und früherer erster Vorsitzender erzählte er von der Entstehung des ersten Brücke-Vereins in München. „Wir glaubten, wir könnten die Welt verändern“, erinnerte er sich an die Anfänge zurück. Für damalige Verhältnisse sei der Gedanke, straffälligen Jugendlichen auf eine ganz neue Weise zu helfen, revolutionär gewesen. Am 1. April 1973 war es so weit: Der erste Brücke-Verein war gegründet worden. Allein zwischen den Jahren 1992 und 2000 seien 400 weitere Vereine entstanden, sagte Pfeiffer.

Um zu zeigen, dass die Brücke Wirkung zeigt, nannte der Kriminologe zudem Zahlen. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der alkoholsüchtigen Jugendlichen um 53 Prozent zurückgegangen. Bei den Erwachsenen hingegen sei sie gestiegen. Auch im Bereich der Gewalt habe es einen deutlichen Rückgang gegeben. Die nächste Herausforderung für die Brücke sei in heutigen Zeiten die Integration der Migranten, betonte Pfeiffer. Und, sagte er am Ende seiner Rede, er glaube fest daran, dass den Vereinen die Integration gelingen wird.

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Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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