Landkreis /Wildeshausen Es sei keine „übliche Badebekleidung“ im Sinne der Badeordnung. Unter anderem mit dieser Begründung hat die Verwaltung der Samtgemeinde Harpstedt in Absprache mit dem Personal des Rosenfreibads vor rund zwei Wochen abgestimmt, dass der Burkini nicht erlaubt sei. Es handelt sich dabei um eine zweiteilige Badebekleidung für Frauen, die bis auf Gesicht, Hände und Füße den Körper verdecken. Ein offener Brief einer Leserin an den Samtgemeindebürgermeister zeigt, dass das Burkini-Verbot auf Widerstand stößt. Von einer „diskriminierenden Regelung“ ist die Rede.

Gilt das Burkini-Verbot in anderen Freibädern? Und warum?

Rosenfreibad

Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse begründet das beschlossene Verbot damit, dass es bei dem Burkini „hygienische Unsicherheit“ gebe, da mehr Stoff vorhanden sei, der sowohl viel Wasser aufsauge, als auch mehr Schmutz aufnehme. Gleiche Regel gelten für T-Shirt und Boxershorts, die einige Badegäste in der Vergangenheit beim Schwimmen tragen wollten. Auch für diese Kleidung gebe es aus hygienischen Gründen Verbote. Eine „gewisse Spannbreite soll nicht zu weit ausufern“, sagt Wöbse. Oben und unten müssten Grenzen gesetzt werden. Mit anderen Worten: Komplett eingekleidet und komplett nackt baden ist schlicht nicht erlaubt. Wöbse ist bewusst, dass solche Diskussionen oftmals in den politischen Bereich gehen. „Die Badeordnung ist nicht christlich geprägt“, sagt er deshalb über den offenen Brief. „Wir gucken uns nur die Kleidung an.“ Ob es sich um einen Christen oder einen Muslimen handele, spiele keine Rolle.

Krandelbad

In dem Wildeshauser Freibad sind in den vergangenen Jahren von Besuchern Frauen in Burkinis gesehen worden. „Es gibt kein Verbot für Burkinis im Krandelbad“, sagt dazu Badbetriebsleiter Marcel Buller. Diese Textilien seien zum Schwimmen und für Schwimmbäder geeignet, daher gebe es keinerlei Einwände. „Ich bin froh darüber, dass die Gäste überhaupt badetaugliche Textilien besitzen.“ Die größere Problematik liege bei jenen Gästen, die keine eigene Bade-Bekleidung besitzen. Diese versuchten dann in Straßenbekleidung beziehungsweise Unterwäsche die Becken zu benutzen.

Freibad Kirchhatten

Im Freibad werde darauf geachtet, dass keine Burkinis getragen werden, sagt der stellvertretende Badbetriebsleiter Stefan Schermann. Das habe hygienische Gründe. Besucher würden am Körper mehr Schmutz und Schweiß tragen, als ihnen bewusst sei. Durch den Burkini sei die Gefahr größer, dass eben dieser Schmutz im Becken verteilt werde. „Wir wollen unsere Wasserqualität erhalten“, sagt Schermann. Frauen im Burkini würden daher höflich gebeten, die Badekleidung zu wechseln. „Wenn sich die Frauen zu dem Zeitpunkt nur geduscht und nicht gebadet haben, bekommen sie ihr Eintrittsgeld zurück.“ In den meisten Fällen würden sich die Frauen einsichtig zeigen. Burkinis dürften eben genauso wenig im Wasser getragen werden wie Baumwollwäsche. Der Weichspüler beispielsweise sei schädlich fürs Wasser, erklärt Schermann. Für ihn und seine Kollegen gelte: Badeanzug, Badehose und Bikini seien angemessene Badekleidung.

Naturbad Hude

Schwimmmeister Stefan Müller sagt, dass es durchaus vorkomme, eine Frau im Burkini im Naturbad in Hude zu sehen. „Da gibt es dann auch mal Besucher, die die Nase rümpfen.“ Aber ein Burkini-Verbot gebe es deshalb in dem Naturbad nicht. Diese Badekleidung sei zudem aus dem richtigen Stoff gemacht und daher fürs Wasser geeignet. Die Anzahl der Besucherinnen, die diese Badekleidung tragen, sei außerdem sehr gering. Vielmehr sieht Müller das Problem bei Badegästen, die vermeintlich gewöhnliche Badekleidung tragen. „Die Jugendlichen tragen zum Beispiel unter der Bade- eine Unterhose.“ Das sei nicht nur unhygienisch, sondern auch schwer zu kontrollieren. Außerdem gebe es Badegäste, die sich vor dem Schwimmen nicht richtig abduschen würden. Bevor man sich also über Burkinis aufrege, gilt Müllers Devise: „Erst an die eigene Nase fassen.“

Offener Brief an Herwig Wöbse

Leonie Hohnholz aus Groß Ippener, die wegen ihres Studiums in Mainz wohnt, hat anlässlich des Burkini-Verbots im Harpstedter Rosenfreibad einen offenen Brief an den Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse verfasst.

Sie stellt in dem Schreiben die „diskriminierende Regelung“ in Frage. Unter anderem schreibt sie: „Muslimische Frauen,ihr Glaube und somit auch Burkinis sind jedoch längst „üblicher“ Bestandteil Deutschlands. Das Begriffsverständnis [übliche Badekleidung], das der getroffenen Entscheidung zugrunde lag, zeugt also von einem engstirnigen Gesellschaftsbild, welches andersgläubige Menschen noch nicht als gleichwertige Mitglieder dieser Gesellschaft anerkennt und die aktuelle gesellschaftliche Realität verkennt.“

Unter anderem bringt Hohnholz einen persönlichen Punkt in dem Brief an: „Wie ist es zu rechtfertigen, dass mir als Frau ein Mann vorschreiben kann, wie viel Haut meines Körpers ich bedecken darf? Es ist nicht tragbar, dass Sie [Herwig Wöbse], oder überhaupt irgendwer, einfach darüber bestimmt, wie bedeckt oder eben nackt ich mich in der Öffentlichkeit zeigen darf.“

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Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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