Altmoorhausen Donnerstagabend im Feuerwehrhaus Altmoorhausen: Merkwürdig gekleidete grüne Gestalten in aufgeblähten Anzügen sind unterwegs. Keine Angst. Es sind keine Marsmenschen, sondern ehrenamtliche Einsatzkräfte der Feuerwehr. Sie halten sich durch regelmäßiges Training in Chemieschutzanzügen fit. Im Ernstfall müssen sie genau wissen, was sie tun, um sich und andere nicht zu gefährden.

Komplett isoliert

Zwei Leute in den sperrigen Schutzanzügen, die sie komplett von ihrer Umwelt isolieren, sind auf einen Feuerwehrwagen geklettert. Ihre Aufgabe: Sie sollen nach Gefahrgut-Behältern suchen und den Inhalt identifizieren. Zugleich wird die Kommunikation untereinander und mit der Einsatzleitstelle geübt. In einem Nebenraum sitzen derweil zwei weitere grüne Gestalten – und spielen Jenga. Abwechselnd muss ein Stein aus dem hölzernen Turm gelöst werden, ohne dass er einstürzt. Und das ist schwierig. Mit den Handschuhen und unter Atemschutz in dem luftdichten Anzug. Fingerfertigkeit ist aber wichtig bei den Einsätzen. Deshalb wird auch das regelmäßig trainiert.

Enorme Belastung

22 Aktive der Freiwilligen Feuerwehr Altmoorhausen sind für den Einsatz in Chemieschutzanzügen ausgebildet, erklärt Ortsbrandmeister Andreas Wicht. Die Belastung ist enorm. Mehr als 30 Kilogramm kommen da schnell zusammen mit Atemschutzausrüstung und Schutzkleidung. Der Schweiß fließt in Strömen. „Da hat man denn schon mal schnell einen Liter Flüssigkeit in den Stiefeln.“

Freiwillige Feuerwehr

Aktive Mitglieder: 50 (36 Männer, 14 Frauen) Fahrzeuge:
1 Einsatzleitwagen
1 Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20)


1 Tanklöschfahrzeug (TLF 3000)
 1 Rüstwagen (vom Landkreis Oldenburg zur Verfügung gestellt)
1 Anhänger Einsatzhygiene

Ortsbrandmeister: Andreas Wicht, stellvertr. Ortsbrandmeister: Stephan Schütte

Warum tut man sich diese enorme körperliche und psychische Belastung freiwillig an? – Die aktive Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr sei mehr als ein Hobby. Dafür müsse man „brennen“, erklären die Feuerwehrleute. Und in Altmoorhausen gibt es zum Glück noch viele, die für dieses Ehrenamt „brennen“ und viele Stunden im Jahr für Dienst und Einsatz opfern. Das sind bei dem einen 150, bei einem anderen vielleicht auch mal 500 Stunden im Jahr. Jeder versieht seinen Dienst, so wie er kann.

Und dieser Dienst ist in den Jahren technisch immer anspruchsvoller und gefährlicher geworden. In den neuen Autos lauern viele Gefahren. Hybrid, Elektro, wo sitzt die Batterie? Wo darf man auf keinen Fall schneiden, wenn verunglückte Fahrzeuge aufgebrochen werden müssen, um sich und eingeklemmte Personen nicht zu gefährden.

Und dann die Schadstoffe, die freigesetzt werden bei den meisten Bränden. Was da so in den Verbrennungsstoffen drin ist, auch bei Pkw-Bränden, ist potenziell krebserregend.

1. Blaulichtmeile in Hude am Sonntag, 2. Juni, 11 bis 18 Uhr

Zur 1. Blaulichtmeile laden die Freiwilligen Feuerwehren in der Gemeinde Hude am Sonntag, 2. Juni, ein. Von 11 bis 18 Uhr präsentieren sich die Retterinnen und Retter mit ihren Fahrzeugen und Gerätschaften auf dem Gelände der Peter-Ustinov-Schule am Vielstedter Kirchweg mit einem Programm für die ganze Familie.

Neben den drei Freiwilligen Feuerwehren aus Hude, Altmoorhausen und Wüsting werden das Technische Hilfswerk (THW) Ganderkesee-Hude, die Johanniter und das Deutsche Rote Kreuz sowie die Polizei dabei sein. Unsere Zeitung stellt einige der Akteure in den nächsten Wochen vor.

Um die Einsatzkräfte zu schützen, ist die Freiwillige Feuerwehr in der Gemeinde Hude Vorreiter. Seit Ende des vergangenen Jahres ist der „Anhänger Einsatzhygiene“ im Feuerwehrhaus Altmoorhausen stationiert. Mit diesem Anhänger gibt es die Möglichkeit, schon vor Ort dafür zu sorgen, dass die Helfer sauber aus den Klamotten kommen, wie Gruppenführer Dennis Wiese berichtet. Die kontaminierte Einsatzkleidung kommt in verschlossenen Behältern zur Wäscherei. Der Anhänger hat Ersatzkleidung an Bord, damit die Helfer nicht in verschmutzten Klamotten zurück zum Feuerwehrhaus fahren müssen.

Hoher Frauenanteil

40 bis 50 Einsätze werden in Altmoorhausen im Jahr gefahren. 50 gut ausgebildete aktive Mitglieder hat die Feuerwehr in ihren Reihen. Eine starke Truppe. Darunter sind mittlerweile 14 Frauen. Die Altmoorhauser sind stolz auf diese hohe Frauenquote. Die Wehr habe sich früh für das weibliche Geschlecht geöffnet. „Wir können auch nicht mehr darauf verzichten“, sagt Andreas Wicht. Denn gerade die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte am Tage ist wichtig. Und viele Männer arbeiten auswärts. In der Gemeindefeuerwehr tut man auch viel für die Vereinbarkeit von Feuerwehrdienst und Familie, wie mit dem Projekt „Alarm-Muttis“, die als Babysitter einspringen, wenn die Eltern zum Einsatz eilen.

Das Feuerwehr-Gen

„Wir machen da keine Unterschiede“, erklärt Andreas Wicht zum Einsatz der Frauen in der Ortswehr. Und weitere Frauen wollen mitmachen. Selbst die Ehefrau von Gerätewart Hilmar Timpe hat sich im Alter von 50 Jahren entschlossen, Feuerwehrfrau zu werden und entsprechende Lehrgänge zu absolvieren. Nach den drei Töchtern, die ebenfalls Feuerwehrfrauen geworden sind, wollte auch Kathrin Timpe aktiv werden. Ihr Mann ist seit 22 Jahren Mitglied der Feuerwehr. Als Gerätewart und Hausmeister wohnt er über dem Feuerwehrhaus.

Das Feuerwehr-Gen wird in Altmoorhausen wie auch in anderen Freiwilligen Feuerwehren eben sehr stark von einer Generation zur nächsten übertragen. Versucht wird auch in Altmoorhausen alles, um die jungen Leute für den Feuerwehrdienst zu begeistern. Das gelingt bislang auch noch sehr gut.

Kameradschaft stimmt

Es ist eine relativ junge Truppe in Altmoorhausen. Alle sind begeistert dabei. Das funktioniert nur, wenn man sich wohlfühlt und die Kameradschaft stimmt. Das sei in Altmoorhausen der Fall, sagt der Ortsbrandmeister stolz.

In der Ortswehr gibt es auch keinen Dienst in verschiedenen Gruppen. Jeden Donnerstag ist hingegen von 19.30 bis 22 Uhr Dienst für alle, die Zeit haben. Jeder kennt jeden. Jung lernt von Alt und umgekehrt. Dass sich alle gut kennen, ist auch für Einsätze von großer Bedeutung.

Die Zukunft für die Feuerwehr Altmoorhausen sieht zurzeit noch gut aus. Nachwuchskräfte zu gewinnen, auch ältere Seiteneinsteiger, sei aber kein „Selbstläufer“, weiß der Ortsbrandmeister. Bedauerlich ist aus Sicht der Feuerwehr, dass junge ehrenamtliche Feuerwehrleute, die vor Ort bauen möchten, oft keine Chance haben, einen Bauplatz zu bekommen. Sie ziehen mit ihrer Familie weg und müssen schweren Herzens dann auch ihrer Freiwilligen Feuerwehr den Rücken kehren. Das sei bedauerlicherweise in Altmoorhausen schon mehrfach passiert.

Klaus-Dieter Derke Hude / Redaktion Hude
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