Wildeshausen Seit mehr als 20 Jahren würden sie sich treffen. „Ach was – seit mehreren Jahrzehnten“, korrigiert sich Heinz-Joachim Kunz nach kurzer Überlegung. Es sei eine tolle Gemeinschaft, schwärmt der 80-jährige Wildeshauser, wenn er auf das vergangene Klassentreffen zurückblickt: 21 von einst rund 30 ehemaligen Schülerinnen und Schülern der damaligen Mittelschule in Wildeshausen – heute Realschule – sind am Samstag zusammengekommen. Vor 63 Jahren waren sie aus der Schule entlassen worden. Das Gebäude am Huntetor/Ecke Marschweg steht nicht mehr: Heute befinden sich dort Wohnhäuser. In der Schulchronik ist zu lesen, dass 1950 dort von 103 angemeldeten Schülern 73 aufgenommen wurden.

„Ins feindliche Leben“

Im März 1956 ging es für die Schüler ins „feindliche Leben“, wie man damals zu sagen pflegte, erinnert sich Kunz. So habe man damals den Einstieg ins Berufsleben, „überhaupt den Einstieg in die weiteren Lebensabschnitte“ genannt. Damals seien es eben andere Zeiten gewesen, „der Krieg war ja erst elf Jahre her“.

Eingeladen vom Organisationsteam um Helga Müller, erinnerten sich die ehemaligen Klassenkameraden im „Alten Amtshaus“ und am Abend im Hotel Gut Altona an die Schulzeit. Hotel Gut Altona war es denn auch, wo die Schüler 1956 die Abschlussfeier organisiert hatten. „Kartoffelsalat mit Würstchen, keine Ruhestörung, keine Sachbeschädigung und kein Polizeieinsatz.“ Allerdings blieben einige Lehrkräfte der Feier fern, erinnert sich Kunz weiter – Grund dafür war wohl die Abschlusszeitung in Form eines Klassenspiegels mit dem Titel „Zirkus Mittelschule schließt seine Pforten“. Einige Lehrer hätten sich pikiert gezeigt: Waren sie doch mit großen Dompteuren, Dresseuren und Bärenführern verglichen worden. Die Schulabgänger stellten sich selbst hingegen als kleine aufsässige, bissige und schwer zähmbare Wildtiere dar.

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Auch weitere Feste richteten die Jugendlichen auf Gut Altona aus: Im Garten waren Theaterstücke zu sehen wie „Der fahrende Schüler im Paradies“, „Columbus entdeckt Amerika“ und „Wilhelm Tell“. Der „Tell-Knabe“ mit dem Apfel auf dem Kopf war bei dem Treffen ebenfalls anwesend: Eckard Proell begrüßte eingangs die ehemaligen Mitschüler.

Schweiz und Hannover

Ein Großteil des Abschlussjahrgangs ’56 lebt noch in Wildeshausen, „sie treffen sich ohnehin mehrfach im Jahr zum Klönen und Schnacken“, berichtet Kunz. Für andere wiederum ging es zurück nach Nord-, Süddeutschland und in die Schweiz. Für Timm Ulrichs ging es beispielsweise zurück nach Hannover. Ulrichs war damals von der Wildeshauser Schule nach Bremen gewechselt, um dort 1959 seinen Abschluss zu machen. Ulrichs ist wohl der Bekannteste beim Klassentreffen: Er nennt sich selbst „Totalkünstler“, hatte in mehreren öffentlichen Räumen, so auch vor dem Bahnhof in Magdeburg, Installationen errichtet.

So weit Ulrichs für seinen Beruf gereist ist: „Er ist immer bei den Treffen dabei“, freut sich Kunz.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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