Wildeshausen Bücher, Arbeitshefte, ein Federmäppchen, gefüllt mit einer Menge Stifte: „Im Grunde genommen das, was ein Schulkind auch dabei hat“, fasst Tim Albus die Antwort auf die Frage zusammen, was ein Lehrer alles dabei haben sollte. Neben der gefüllten Tasche hat der 27-jährige Wildeshauser mit den Abc-Schützen an der Holbeinschule in Wildeshausen eine weitere Sache gemein: Auch er hat vor gut eineinhalb Wochen dort seinen ersten Schultag gehabt – als Lehrer.

1710 neue Lehrkräfte nahmen zum neuen Schuljahr nach Angaben des Niedersächsischen Kultusministeriums an öffentlichen allgemein bildenden Schulen in Niedersachsen ihren Dienst auf: Unsere Zeitung hat dies zum Anlass genommen, mit einem von ihnen über den Berufsstart zu sprechen.

„Stempel und Sticker sollte man auch dabei haben“, ergänzt Albus. „Das motiviert die Kinder.“ Zuvor hatte Albus eineinhalb Jahre sein Referendariat an der Wildeshauser Wallschule absolviert. Zweite und dritte Klassen unterrichtete er vor allem. Seit Mitte August ist er Klassenlehrer einer ersten Klasse – der „Eingangsstufe Orange“, genauer gesagt. Eine erste Klasse zu unterrichten, sei im Gegensatz zu dritten oder zweiten „ein Riesenunterschied“: Die Kinder müssten schließlich die Schulregeln noch von Grund auf lernen.

Spaß und Stress

Nach der ersten Woche als Lehrer wirkt Albus zufrieden. „Es macht super viel Spaß“, erzählt er, während er auf den leeren Flur tritt. Es ist 14 Uhr, die Schüler sind gerade nach Hause gegangen. „Aber es ist auch super stressig“, gibt der 27-Jährige zu. Es sei vor allem die Organisation, die Arbeit mache: „Unterricht vor- und nachbereiten, Elternabende organisieren, Unterrichtsmaterial für die Kinder besorgen“, zählt Albus einige der Aufgaben auf. „Da muss man sich schon reinfuchsen – aber die Kollegen helfen mir.“ Diese Kollegen haben auch Tipps für den Neuling parat: Beispielsweise solle sich Albus Pläne gestalten, wie der Klassenraum aussehen soll. „Ich werde auf jeden Fall viele verschiedene Sitzordnungen ausprobieren – die Kinder sind ja selbst auch neu an der Schule und sollen sich kennenlernen.“

Studiert hat der Wildeshauser Mathematik an der Universität in Vechta. „Ich unterrichte aber ,von bis’.“ Außer Sachunterricht. Weil nicht genug Fachlehrer vorhanden seien, übernehme er weitere Fächer. „Deutsch ist schon anspruchsvoll, aber da kann ich mir einiges aneignen“, sagt der Lehrer, der ab und zu in einer Nachbar-Eingangsstufe unterrichtet. „Religion ist schon schwieriger – oder Kunst. Dafür muss ich dann schon etwas länger am Schreibtisch sitzen.“

Aufgeregt sei Albus vor seiner ersten Unterrichtsstunde vor der eigenen Klasse nicht gewesen. Aber er merke schon, dass eine neue Verantwortung dazu gekommen sei. „Im Referendariat bekommt man einen Mentor, der zum Teil im Unterricht dabei ist.“

Der Grundschullehrer rät dazu, sich vor dem Unterricht zu überlegen, „wie man was macht“ und wie man auf welche Situation reagiert. „Ich bin zum Beispiel niemand, der laut werden kann – das würde dann aufgesetzt klingen. Wenn die Kinder zum Beispiel ruhig werden sollen, sage ich einfach zwei, drei Minuten nichts. Auch, wenn’s schwer fällt.“ Die Erstklässler würden dann von selbst merken, dass sie ruhig sein sollten.

Gitarre am Pult

Hinzu komme, dass sich der Lehrer einen Plan mache, von wann bis wann welche Themen abgearbeitet werden sollten. „Im Sport ist es einfacher. In Mathe schwieriger.“ Wenn die Grundlage da nicht geschaffen sei, könne man das Thema nicht einfach verschieben. Und sollte mal die Konzentration schwächeln, hat Tim Albus eine Methode, um den Unterricht lockerer zu gestalten: Am Pult, neben Federmäppchen und Arbeitsheften, lehnt eine Gitarre.

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Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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