Wildeshausen Torsten Breßler (Vater):Der Weg der Lehrer, die Kinder als Instrument für tarifpolitische Streitigkeiten zu benutzen, finde ich nicht richtig. Die Lehrer sollten sich mit dem Land, ihrem Arbeitgeber, streiten.

Rika Meiners (Schülerin):Ich kann die Lehrer verstehen, dass sie wegen der Mehrarbeit wütend sind. Doch die Fünftklässler brauchen die Klassenfahrten, um sich in der neuen Schule besser kennenzulernen und eine Gemeinschaft zu werden.

Eike Langer (Schüler):Ich unterstütze meine früheren Mitschüler. Klassenfahrten sind schöne Erlebnisse, alle Schüler sollten das erleben.

Anke Rauschenberger (Mutter):Ich kritisiere die Lehrer, denn ihr Weg des Protestes schadet den Schülern. Klassenfahrten stärken das Sozialverhalten der Kinder. Ich kritisiere aber auch die Landesregierung, die sich nicht an Zusagen für ältere Lehrer hält.

Stefan Bredehöft (Vater):Es ist schön, dass so viele Leute zur Demonstration gekommen sind. Es ist ein gutes Signal. Bei 1200 Schülern hätten es natürlich noch wesentlich mehr sein können. Es gibt aber auch Menschen, die Angst haben, ihr demokratisches Recht wahrzunehmen, weil sie vielleicht Nachteile befürchten.

Jan-Henrik Wulf (Schüler):Von der Zahl der Demonstranten sollte man nicht auf die Zahl der Befürworter schließen. Die Schüler des Gymnasiums stehen geschlossen hinter uns und wollen, dass es auch in Zukunft Klassenfahrten gibt.

Initiative „Willi wühlt“:Wenn sich die Lehrerinnen und Lehrer gegen eine unzumutbare Mehrbelastung zur Wehr setzen wollen, was ihr gutes Recht ist, dann sollten sie doch ausnahmsweise einmal die Auseinandersetzung mit erwachsenen Menschen suchen. Nämlich mit denen, die ihnen die Suppe eingebrockt haben, den Politikern in Hannover.

400 Schüler und Eltern haben am Sonnabend in Wildeshausen mit einem Trauermarsch die alten Klassenfahrten symbolisch zu Grabe getragen und gleichzeitig für den Erhalt der Klassenfahrten am Gymnasium Wildeshausen demonstriert.

An der Spitze des Demozuges von der Schule zum Marktplatz marschierten die Schülersprecher Maximilian Preiß und Andreas Taute mit einem Transparent: Rest in Peace (Ruhe in Frieden), oh alter Freund, die Klassenfahrten. Dahinter folgten vier Schüler in dunklen Anzügen mit einem braunen Sarg auf ihren Schultern. In ihrem Gefolge spielte das Wildeshauser Bläser-Ensemble „Wildes Blech“ den „Trauermarsch“ von Frederic Chopin. Eltern sicherten mit Absperrband die Demo, die auch von der Polizei begleitet wurde.

Mehr Schüler erwartet

Unter den Demonstranten waren alle Altersklassen des Gymnasiums vertreten. Insgesamt besuchen 1200 Kinder und Jugendliche die Schule. Unter den Klassen- und Jahrgangssprechern hatte es im Vorfeld eine breite Mehrheit für die Demo gegeben. Gerechnet worden war mit 1000 Teilnehmern. Schulsprecher Preiß war dennoch mit der Resonanz zufrieden.

Auch die Initiative „Willi wühlt“, die immer wieder Missstände in Wildeshausen anprangert, unterstützte die Schüler. Auf einem Anhänger folgte der Maulwurf dem Demonstrationszug. Maximilian Preiß hatte eingangs zu einem friedlichen Protest aufgefordert, der es auch wurde.

Während der Demonstration machte Schülersprecherin Gesa Kaupke (Jahrgang 11) gegenüber der NWZ  ihre Motivation für den Protest deutlich: „Ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Klassenfahrten. Ich möchte, dass auch die jüngeren Schüler das erfahren. Außerdem möchte ich zum Abschluss und als einen Höhepunkt meiner Schulzeit die Abifahrt erleben.“

Während der Kundgebung auf dem Marktplatz forderten Schüler- und Elternvertreter die Personalversammlung des Gymnasiums auf, die Entscheidung gegen Klassenfahrten rückgängig zu machen. Vor Wochen hatte der Organisator der Demo, der Jahrgang 11, bereits eine Petition auf den Weg gebracht.

In einer „Trauerrede“ erinnerten die Schülersprecher Gesa Kaupke, Andreas Taute und Ann-Katrin Schulz an die schönen Zeiten der Klassenfahrten. Darin hieß es unter anderem: „Noch heute schwelgen wir in Erinnerungen“, „ein qualvoller Tod“, „trauern wir um die, die nie eine Klassenfahrt erleben werden“, „wir werden uns nicht so leicht damit abfinden und alles dafür tun, dass Klassenfahrten wieder auferstehen“.

Der Schulelternratsvorsitzende Jens-Peter Hennken lobte die Schüler dafür, dass sie ihr Recht nutzen, gegen die Entscheidung der Personalversammlung des Gymnasiums, in Zukunft keine Klassenfahrten mehr auszurichten, zu protestieren. Er betonte aber, dass es keine Demonstration gegen die Lehrer sei.

Elternrat enttäuscht

Die Aufgabe der Eltern und Lehrer sei es, den Schülern fürs Lernen ein optimales Umfeld zu bieten und ihnen alles Notwendige für eine gute Zukunft mitzugeben. Dazu gehören auch Klassenfahrten.

Die Elternvertretung lehne die Entscheidung der Personalversammlung ab und sei enttäuscht darüber, nicht in die Entscheidung eingebunden worden zu sein. Die Klassenfahrten auszusetzen, sei nicht die Lösung des Problems. Die Elternvertretung biete weiter ihre Zusammenarbeit an, um gemeinsam, auch mit der Schülervertretung, nach Lösungen zu suchen und Positionen für den Protest gegenüber dem Land zu erarbeiten.

Die Lehrer in Wildeshausen protestieren wie Kollegen zahlreicher Gymnasien in Niedersachsen mit dem Klassenfahrten-Boykott gegen die Landesregierung. Die hat beschlossen, dass Gymnasiallehrer ab dem nächsten Schuljahr eine Stunde mehr pro Woche, also 24,5, unterrichten müssen. Außerdem soll die Regelung, nach der Lehrer ab 55 Jahre eine Stunde und ab 60 Jahre zwei Stunden weniger pro Woche unterrichten müssen, gestrichen werden.


     www.willi-wuehlt.de 
Mehr Bilder unter   www.nwzonline.de/fotos-landkreis 
NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-land 
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Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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