Sandkrug „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir.“ Dieses bekannte Zitat stammt aus einem sehr alten Brief, den der römische Gelehrte Seneca vor 1957 Jahren an einen seiner Schüler schrieb. Seitdem hat wohl kaum eine Schülergeneration daran zumindest nicht in bestimmten Unterrichtsfächern gezweifelt.

Was bedeutet Leben
lernen genau
?

Die Waldschule Hatten macht sich jetzt daran, dem Begriff fürs „Leben lernen“ eine viel praxisnähere Bedeutung zu geben. Seit Beginn des neuen Schuljahres gehören Tischmanieren, Körpersprache und Hygiene genauso auf den Stundenplan wie politisches Grundwissen, ein „Survival-Rucksack“ für die digitale Welt und die Kunst der analogen Dokumentenverwaltung.

Welche Schüler sind
davon betroffen
?

Alle 800. „Wir sind die erste Schule in Niedersachsen, die dieses Fach in den Fächerkanon und in den Stundenplan für alle Schülerinnen und Schüler von Klasse 5 bis Klasse 10 aufnehmen“, sagt der didaktische Leiter Hauke Behrens. Für die Mädchen und Jungen bedeutet es, dass sie mindestens in einer Schulstunde pro Woche sich mit den oben genannten Themen beschäftigen. Die Landesschulbehörde hat dafür grünes Licht gegeben.

Warum geht die Waldschule diesen Schritt?

„In den letzten zehn Jahren hat sich die Schülerschaft massiv verändert“, sagt Rektorin Silke Müller. Sie nennt zwei elementare Beispiele: Früher sei es selbstverständlich gewesen, dass Fünftklässler bereits Schwimmen konnten oder sich alleine die Schuhe zubinden. „Heute ist das nicht mehr so.“ Ein großes Problem sei auch das Kommunikationsverhalten: Selbstständig sich mit einem Telefonanruf um einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz zu kümmern, überfordere mittlerweile viele Jugendliche, so die Pädagogin. „Wir Lehrer müssen wieder mehr Vorbild und nicht nur Wissensvermittler sein“, ist sie überzeugt.

Wie ist das Fach Leben lernen aufgebaut?

Es gibt insgesamt sechs Module: „Umgangsformen“, „Körper und Gesundheit“, „Sinnvoll verbrachte Zeit“, „Allgemeinbildung“, „Gut gerüstet in der digitalen Welt“ und „Ordnung ist das halbe Leben“. Lehrbücher gibt es für diese Themen nicht, aber das ist offensichtlich kein Problem. Das Kollegium habe sich während des ganzen vorigen Schuljahres in einem Brainstorming am Ausarbeiten der Inhalte beteiligt, so Müller. Auch manche Eltern haben sich eingebracht: Von ihnen stammen u.a. die Anregungen, Kleidercodes, Kochen, Einkaufen oder auch Mülltrennung und Rechnungen bezahlen in den Unterricht aufzunehmen.

Gibt es externe Unterstützung für das Projekt?

Unterstützt wird die Einführung des Faches von Ina Janhsen, Präsidentin des Niedersächsischen Landfrauenverbandes Weser-Ems. Sie ist Schirmherrin der Aktion. Der Landfrauenverband Weser-Ems repräsentiert 30 000 Mitglieder aus 187 Vereinen aus der Region Weser-Ems und ist somit eine starke Stimme im Land. Janhsen versprach am Mittwoch bei einem Informationsbesuch, sich für die Initiative der Waldschule auch auf Landesebene und in Gesprächen auf Ministeriumsebene einzusetzen.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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