GANDERKESEE Schüler üben im Rollenspiel für den Ernstfall. Das gravierendere Problem ist Mobbing und nicht Gewalt.

von daniela zenth GANDERKESEE - Die Situation ist für die 18 Ganderkeseer Realschüler der achten bis zehnten Klassen zum Brüllen komisch und verwirrend zugleich: Da sitzt ihr Lehrer Jan-Henning Paul auf einem Stuhl inmitten seiner Schützlinge und fordert: „Los! Jetzt beleidigt mich mal!“

Was mancher hier für einen schlechten Scherz hält, ist in Wirklichkeit Teil der Gewalt-Präventionsarbeit der Realschule. Nur, dass diese heute statt auf dem Schulhof in den Räumen des Ganderkeseer Jugendzentrums Trend stattfindet. Zwölf Schüler waren schon im letzten Jahr beim Seminar dabei. Und auch heute nehmen sie kein Blatt vor den Mund. „Du stinkst!“, pöbelt einer. „Oh ja, stimmt. Sehr sogar.“ kommentiert Paul. Die Schüler sind verblüfft und beeindruckt.

Derbe Schimpfwörter, saudumme Bemerkungen – alles scheint an ihrem Lehrer abzuprallen. „Und darum geht es auch“, veranschaulicht dieser seinen Schülern. „Ihr dürft die Situation nicht eskalieren lassen. Statt mit dem Gegner Ping-Pong zu spielen, zieht ihm den Schläger weg.“

Doch das fällt den Jugendlichen, nach eigenem Bekunden, nicht gerade leicht – besonders dann nicht, wenn verletzende Bemerkungen gezielt gegen Familie, Freundin oder Freunde gerichtet sind. In so einem Fall platzt vielen der Kragen. Oft eskaliert die Gewalt, und es kommt zu brutalen Übergriffen.

Bei Beleidigungen, so Jan-Henning Paul, können Schüler weggehen, sie ignorieren, ihnen zustimmen, sie vielleicht sogar mit Humor nehmen, um den Gegner verwirrt stehen zu lassen. Doch bei körperlicher Gewalt sind die Jugendlichen oft auf die Hilfe anderer angewiesen. „Eingreifen statt wegschauen“ sollte hier das Motto sein.

Der 15-Jährige Daniel Neumann war schon im letzten Jahr beim Streitschlichterseminar dabei. Gewalt gebe es in seiner Klasse (9a) relativ wenig. „Mobbing ist bei uns schon eher das Problem.“

Auch Laura Obornik (16) spricht von Mobbing in der 10a. „Wir haben einen in unserer Klasse, der sieht aus wie der Schauspieler Steve Urkel. Deshalb wird er oft verarscht oder rumgeschubst. Und im selben Atemzug wollen die dann die Hausaufgaben bei ihm abschreiben, weil er so gut in der Schule ist.“

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