Wildeshausen Inklusion und Gymnasium scheinen auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen zu passen. Doch es sind nicht die Lernbehinderungen, die das Wildeshauser Kollegium jetzt auf den Plan gerufen haben, sondern die steigende Anzahl auffälliger Schüler.

Knapp 20 Lehrer haben sich am Donnerstagnachmittag zu einem Fortbildungsseminar eingefunden. Eingeladen hatten die beiden Lehrerinnen Petra Schönemann-Behrens und Heike Schaal, die sich schon seit geraumer Zeit mit der sinnvollen Integration inklusiver Inhalte und Maßnahmen in den Schulalltag beschäftigen. Im Zuge dessen hat Schönemann-Behrens auch Stefan Scherr kennengelernt, der als Fachleiter am Studienseminar Sonderpädagogik in Osnabrück arbeitet.

„Schüler sind eine Art Frühwarnsystem für gesellschaftliche Veränderungen, die uns alle herausfordern“, sagt Scherr. Stichworte wie „digitales und analoges Erziehungsverhalten“ oder „zunehmende Unsicherheiten in allen Bezugssystemen“ fallen. Scherr möchte die Wildeshauser Pädagogen dafür sensibilisieren, welche Motive Schüler mit auffälligen Verhaltensweisen haben. „Unterrichtsstörungen haben immer auch mit den Lehrern zu tun“, sagt er und skizziert eine Art sich selbst aufschaukelndes Wechselspiel.

Demgemäß geht es bei der nachmittäglichen Fortbildung auch darum, deeskalierende Techniken im Umgang mit auffälligen Schülern zu vermitteln. „Der Lehrer darf nicht Einzelkämpfer sein, sondern im Konfliktfall gerne auch die Tür zur Nachbarklasse aufmachen und den Kollegen dazu holen“, appelliert Scherr an seine Zuhörer, keine falsche Scham zu zeigen. Vielmehr gehe es darum, mehr im Wir zu handeln, Ruhe auszustrahlen und die Störung auf keinen Fall persönlich zu nehmen oder sich gar dafür zu schämen.

„Pädagogisch sind Sie alle fit genug, aber künftig wird es wichtig sein, mehr Präsenz zu zeigen“, ermunterte der Aus- und Weiterbildungsexperte seine Zuhörer. Und er hat auch ein praktisches Beispiel parat: „Wenn es in den Pausen gehäuft Ärger gibt, kann es sinnvoll sein, für einige Zeit mit dem ganzen Kollegium zu den Schülern auf den Pausenhof zu gehen.“ So habe man zwar einige Zeit keine eigene Pause mehr, zeige aber Geschlossenheit und gewinne an Stärke.

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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