HOLLE Diesmal muss man gar nicht lange rätseln, aus welchem Baujahr das Haus wohl resultieren könnte. Es steht ja direkt dran. Es handelt sich bei der alten Schule in Holle an der Holler Landstraße 92 sozusagen um ein sehr erzählfreudiges Haus.

Doch obwohl erst 1909 erbaut, reicht die Geschichte in vorangegangene Jahrhunderte zurück. „Graf Anton Günther von Oldenburg setzte sich im frühen 17. Jahrhundert dafür ein, dass die Kirchdörfer des Oldenburger Landes Schulen bekommen“, erzählt Siegfried Hoffmann, Bezirksvorsteher in Wüsting, „im Kirchspiel Holle wird von einer Schuleinrichtung erstmals 1671 durch Pastor Rosa berichtet.“

Einen Schulmeister konnte sich die Kirchengemeinde Holle finanziell allerdings nicht leisten. So übernahm Pastor Rosa es von 1617 bis 1642 selbst, den Kindern Lesen und Schreiben beizubringen. Ein Schulgebäude konnte sich Holle ebenfalls nicht leisten. „Pastor Rosa hat vermutlich das Pfarrhaus, das dem damaligen Pastor Bernhard Stammer als Wohn- und Amtssitz diente, übernommen“, meint Hoffmann. Bernhard Stammer war von 1568 bis 1600 Seelsorger in Holle.

Aus einem Visitationsprotokoll von 1702 geht hervor, dass sich der Küster Johann Wessels beklagte, dass das Haus baufällig sei. 1710 kam es zu einem Neubau des Küsterhauses am gleichen Standort. Aber aus Geldmangel war das neue Haus wohl wieder nicht so stabil gebaut worden, wie das erwähnte Pfarrhaus. 1771 und 1786 mussten immer wieder Renovierungsarbeiten an dem Küsterhaus vorgenommen werden. 1834 beantragte Lehrer Speckmann, dass wenigstens die Küche von der Diele abzutrennen sei. Das wurde wegen finanzieller Schwierigkeiten seitens der Kirchengemeinde Holle abgelehnt. Dafür wurde aber ein zusätzlicher Ofen genehmigt.

1901 stellte ein Gutachter dann fest, dass das Gebäude baufällig sei. „Überliefert ist, dass die Holler Kirchengemeinde 1909 ein neues Schulhaus auf dem Pfarrland erbauen ließ. Das alte Gebäude riss man erst 1910 ab“, berichtet Siegfried Hoffmann. Geld für den Neubau kam durch den Verkauf des Pfarrhauses.

Der Neubau erhielt einen größeren und helleren Unterrichtsraum. Die nun mehr komfortablere Wohnung für den Lehrer bestand aus drei Stuben, einer Küche, einer Speisekammer und einem Keller. Dazu gehörten Stallungen für das Vieh. Zur Wohnung ging es durch den linken Hauseingang, zur Schule durch den rechten. Den Bauplan hatte der Wüstinger Baumeister Heinrich Parisius angefertigt. Die Kirchengemeinde Holle finanzierte den Neubau. Auch die Holler Hausleute brachten sich durch Eigenleistungen mit ein.

Die Unterhaltung des Schulgebäudes erfolgte zu zwei Dritteln durch die Kirchengemeinde Holle und zu einem Drittel durch die Holler Schulacht. „Dabei handelte es sich um die Einwohner der schulpflichtigen Kinder einer Bauernschaft, die zu einer Schulacht zusammengefasst waren und als kleinste Verwaltungseinheit für die Unterhaltung des Gebäudes zu sorgen sowie die Zahlung des Schulgeldes an den Schulhalter zu überwachen hatten“, erklärt Hoffmann, „die für die Grafschaft Oldenburg eingesetzte dänische Regierung erließ 1706 eine Landschulordnung, die auch den Begriff des Schulzwanges, also eine Schulpflicht, einführte.“

1954 ersetzte ein großer Schulneubau mit zwei Klassenzimmern mit großen Fenstern die alte Schule in Holle. Dieser Neubau entstand an der Grenze zwischen Holle und Oberhausen. Er war unter dem Namen „Schule Wöschenland“ bekannt.

„Damit ging eine Jahrhundert lange Schultradition im damaligen Kirchspiel Holle zu Ende“, sagt Hoffmann. Heute wird das ehemalige Schulgebäude als Privatwohnung genutzt.

Jantje Ziegeler Redakteurin / Online-Redaktion
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