Ganderkesee Im Jahr 2000 kam sie selbst als irakischer Flüchtling nach Deutschland, nun erteilt sie Flüchtlingen Deutschunterricht an Volkshochschulen – Sandra Baba lebt seit mehr als 14 Jahren in Ganderkesee und fühlt sich hier inzwischen zu Hause. Doch das war nicht immer so. Am Anfang musste sie sich durchbeißen, hart kämpfen, die Sprache verstehen lernen und mit 38 Jahren ein zweites Studium beginnen, sagt sie. Nun haben sich die Möglichkeiten für Flüchtlinge verbessert, findet Baba. „Als ich nach Ganderkesee gekommen bin, gab es keine Integrationskurse.“ Auch die Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen sei flexibler als noch vor zehn Jahren. Wichtig sei, um im neuen Land Fuß zu fassen, vor allem Wille, Motivation und Ziele, weiß sie. Baba unterstützt mittlerweile auch privat Neuankömmlinge aus Syrien und dem Irak.

Mit persönlichem Engagement setzen sich auch Mitglieder der Bürgerstiftung Ganderkesee für die Neuankömmlinge ein. So koordiniert Astrid Fuchs ein Netzwerk, das sich mittlerweile zwischen Flüchtlingen und Ganderkeseern gebildet hat. Zudem organisierte die Bürgerstiftung einen Sprachkursus, um Barrieren abzubauen.

Ganderkesee als neues Zuhause

121 Flüchtlinge u.a. aus Krisengebieten sind derzeit in der Gemeinde Ganderkesee untergebracht.

Davon leben 44 in gemeindeeigenen Wohnungen, 77 weitere konnten in externe Mietverhältnisse vermittelt werden. Zudem wurde vom Landkreis Oldenburg die Aufnahmequote für die Gemeinde auf weitere 77 Flüchtlinge festgelegt.

Viele Syrer seien über Schlepperbanden nach Deutschland gekommen, wie Fuchs berichtet wurde. Manche flüchteten mit dem Schiff vom Libanon aus für 7000 Dollar. Ihre Familien versuchen sie dann auf legalem Weg nachzuholen. Dabei handele es sich oft um gut ausgebildete Personen – auch mit Studium, so Fuchs. Rund 90 Prozent der Neuankömmlinge seine Einzelpersonen, bestätigt auch Rainer Heinken, Fachdienstleiter Soziale Hilfen der Gemeinde Ganderkesee. Der Fachdienst arbeite derzeit an neuen Konzepten, Flüchtlinge besser zu integrieren, sagt er. Doch die neuen Mitbürger unterbringen sei das Eine, die Betreuung das Andere, erklärt er. „Das wird eine gesellschaftliche Aufgabe, da kommt einiges auf uns zu.“

Während sich in den Kitas laut Karen Becker, Fachdienstleitung Kindertagesstätten der Gemeinde, noch kein Bedarf abzeichne, wird die Integration in den Grundschulen bereits gelebt. So kommen die Kinder praktisch ohne Deutschkenntnisse in die Schule, beherrschen aber nach gewisser Zeit sehr gut die fremde Sprache, berichtet Dörte Lorenz, Schulleiterin der Grundschule Bookholzberg. Wie ein syrisches Mädchen, das inzwischen viel selbstbewusster geworden sei. „Da hat Integration voll geklappt“, so Lorenz.

Wichtig sei dabei auch, dass die Familien zentral im Ort untergebracht sind, damit sich die Kinder treffen können und soziale Kontakte entwickeln. Zusätzlich erhalten die Kinder in der Schule Förderunterricht, der vom Bildungs- und Teilhabepaket gefördert wird. Nachmittags erfolge ebenfalls Unterricht, der beispielsweise von der regioVHS oder privaten Anbietern gegeben wird. Auch die Grundschule Dürerstraße in Ganderkesee versuche derzeit vier Kinder aus Syrien zusätzlich mit Förderunterricht und Lern- und Hausaufgabenbetreuung zu integrieren, sagt Schulleiter Frank von der Aa. Da seien Lehrer und auch die Klasse gefordert. Hilfreich seien auch das Engagement der Eltern und die Arbeit der Sozialpädagogen der Gemeinde.

In der Syrisch-Orthodoxen Kirchengemeinde St. Jakob in Ganderkesee hätten hingegen keine Flüchtlinge Interesse am Gemeindeleben gezeigt, sagt der Vorsitzende der Kirchengemeinde Eyup Celik. Ähnlich sieht es beim Bookholzberger Turnerbund aus. „Es ist aber jeder im Verein herzlich willkommen aus allen Teilen der Welt“, so Vorsitzender Helmut Steinmann.

Tanja Henschel Barßel / Redaktion Münsterland
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