Wildeshausen Und Schwung. Nur ein kleiner Schnipser mit dem Finger und das Spielzeug des zehnjährigen Jan-Linus dreht sich wie ein Propeller zwischen seinem Daumen und Zeigefinger. „Ich kann das sogar auf der Stirn“, ruft sein Kumpel Marlin und setzt das rotierende Teil mit drei kleinen, runden Flügeln auf seine Stirn. Es dreht sich weiter.

Die beiden Grundschüler lernen immer neue Tricks mit dem Fidget Spinner. Dieses trendige Spielzeug breitet sich rasant auf den Schulhöfen aus. Auch an der Wildeshauser St.-Peter-Grundschule sind sie heiß begehrt.

„Seit einer Woche haben das quasi alle“, berichtet Konrektorin Ingrid Lutze. Auch in ihrer Klasse 4 c haben nur drei von 16 Kindern keinen Fidget Spinner.

Fidget Spinner Für ADHS-Patienten

Laut den Herstellern sollen Fidget Spinner besonders für Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizit, einer Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Autismus geeignet sein. Sie sollen durch Ablenkung vorübergehend beruhigend wirken.

Die Wildeshauser Erziehungswissenschaftlerin Dr. Erika Butzmann hält ADHS für so komplex, dass die Aussage der Erfinder nicht so einfach zu belegen sei. Kinder mit dieser Erkrankung seien alle unterschiedlich. Butzmann rät daher, im Einzelfall zu prüfen, ob die Spinner helfen oder die Kinder nicht nur zusätzlich ablenken. Trotzdem gebe es Schulen, die die Fidget Spinner bewusst einsetzen würden.

Kritisch sieht die Erziehungswissenschaftlerin, dass dies nur ein vorübergehender Hype sei, der ihrer Einschätzung nach nicht lange anhalten wird. „Wenn es alle haben, dann wird es irgendwann langweilig“, sagt Butzmann.

„Fidget“ ist Englisch und bedeutet übersetzt „zappeln“, „spinner“ steht sinngemäß für „drehen“. Drei oder mehr Enden, die wie Flügel eines Propellers aussehen, drehen sich um ein Kugellager in der Mitte. Die Enden der Flügel sind mit Gewichten oder Kugellagern beschwert. Sie wiegen etwa 100 Gramm.

Jan-Linus hat ein Video von Fidget Spinnern auf Youtube entdeckt und wollte das unbedingt selbst können. Das war vor drei Wochen. Jetzt besitzt der Junge sogar mehrere, einer davon ist aus Metall. Sie kosten zwischen fünf und 30 Euro. Jan-Linus hat Kumpel Marlin und seine Klassenkameraden angesteckt.

„Das macht voll Spaß und sieht schön aus“, sagt Lena. Sie liebt es, die Geschwindigkeit der rotierenden Blätter auf ihrer Hand zu spüren und auszuprobieren, worauf man die Spinner so überall balancieren kann.

Während des Unterrichts müssen die Spinner in der Tasche bleiben, weil sie ablenken. Ansonsten zieht Klassenlehrerin Lutze die Spielgeräte ein. In den Pausen dürfen die Kinder damit spielen. „Es trainiert die Geschicklichkeit“, so Lutze.

Sie führt auch kritische Gespräche mit den Kindern. „Sie verstehen die skeptische Haltung ihrer Eltern“, erklärt Lutze. Sie sehen es als Modetrend und befürchten, dass der Fidget Spinner bald das gleiche Ende wie Pokemón Go oder die Loom-Bänder erleidet.

Marlin packt seinen Spinner über den von Kumpel Jan-Linus. „Du kannst die auch übereinander stapeln“, erklärt er. Manchmal machen sie auch Wettbewerbe, welcher sich am längsten dreht. Das kann bis zu fünf Minuten dauern, wenn man richtig gut ist. Aber ausprobieren, wo man die Spinner überall kreiseln lassen kann, macht den Kindern am meisten Spaß.

Coole Tricks

mit den Fidget Spinnern: Könnt ihr sie auch? Dann schickt uns originelle Fotos oder Videos davon. Einsendungen nimmt die Redaktion Wildeshausen unter: red.wildeshausen@ nwzmedien.de entgegen.


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Anna Lisa Oehlmann Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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